Meinung | Kolumnen | Ueberleben
05.12.2011

über LEBEN: Schön war das

Guido Tartarotti über das Älter werden und Gitarre spielen.

Nachdem ich 35 geworden war, saß ich mit meiner Gitarre auf einer griechischen Insel unter einem Baum und dachte intensiv nicht über eine gescheiterte Beziehung nach, als plötzlich ein David aus Texas den Schatten des Baumes betrat. Ich versuchte ihm zu erklären, dass das mein Schatten und ich keineswegs bereit sei, diesen zu teilen. Er war Amerikaner genug, um den Hinweis zu ignorieren, und flutete den Platz unter dem Baum mit Geschichten aus seinem Leben. Die Straßen in Texas seien voller Schotter, weshalb bei den Autos ständig die Windschutzscheiben kaputt gingen. Aus diesem Grunde habe er eine Windschutzscheibenreparaturfirma gegründet und verdiene jetzt soviel Geld, dass er es sich leisten könne, jedes Jahr vier Monate durch Europa zu trampen. Außerdem sei er praktizierender, streng gläubiger Bob-Dylan-Fan und reise nie ohne Gitarre. Gerade, als der Kerl anfing, mich zu interessieren, verabschiedete er sich und ließ mich mit meinem Schatten allein.

Am Abend tauchte er bei meinem Lieblingswirten auf, fraß große Mengen Fisches, trank Bier und Ouzo, danach packte er die Gitarre aus und begann, ohne die anderen Gäste zu beachten, mit "Tangled Up In Blue". In einer Ecke saßen drei STS-Fans aus Graz, die hatten ebenfalls Gitarren mit und stiegen bald ein. Nach zwei Mut-Retsinas holte ich meine Gitarre und machte auch mit. Daraufhin pflückte der 15-jährige Wirtssohn die Bouzouki von der Wand. Und schneller, als ein Krone-Leserbriefschreiber "Multikulti-Spaßgesellschaft" tippen kann, spielten wir zusammen etwas, das als "Like A Rolling Stone" begann, irgendwann zu "Großvater" wurde und als 20-minütiger Rembetiko-Blues in Omega-Dur endete. Schön war das. Guido Tartarottis neues Kabarettprogramm "Daneben" läuft ab 12. Oktober im Theater im Alsergrund und im Stadttheater Walfischgasse.