Meinung | Kolumnen | Ueberleben
09.12.2011

über LEBEN: Offenes Mikro

Guido Tartarotti über eine klangvolle Sendungsidee.

Ö1 lädt mich zu einer Live-Diskussion ins Funkhaus ein. Thema: Die großen, aber oft auch peinlichen Schlager der Rockmusik, wie etwa "Stairway To Heaven". Im Studio befinden sich elf Personen: Die Sänger Mika Vember, Agnes Heginger, René Mühlberger und Anna Kohlweis, der Moderator Klaus Wienerroiter, zwei Live-Musiker, zwei Techniker, ein Regisseur und ich. Die Einschaltquote dürfte ein wenig geringer sein, denn die Diskussion findet von 23 bis zwei Uhr früh statt. Gemütlich ist es. Die Musiker haben Gitarren dabei, Anna Kohlweis spielt auf einem Banjo, das sie auf dem Sperrmüll fand, ein großartiges Lied der großartigen Zombies, Mika Vember macht aus Radioheads "Creep" einen existenzialistischen Walzer, dazu gibt es Erdbeerkuchen, Weißwein und Red Bull. Dazwischen versuchen wir, im Sinne der Dramaturgie ein bisschen zu streiten, aber das gelingt uns nicht, wir finden spontan sogar Alphaville gut. Als der Moderator selber an die Gitarre wechselt, nutze ich die Gelegenheit, ihm ein wenig die Sendung zu entführen. Einem offenen Radio-Mikrofon kann ich nicht widerstehen. Das Beste an der Sendung ist aber der Ort, an dem sie stattfindet: Ein Hörspielstudio. Dort gibt es aus verschiedenen Materialien gebaute Treppen, blinde Türen, unterschiedliche Boden- und Wandbeläge, eine alte Schreibmaschine und sogar ein in Mikrofon-Höhe an der Wand befestigtes Klo mit funktionierender Spülung. Alles nur zu dem Zweck, Geräuscheffekte zu erzeugen. Wir sind leider zu feig, diese Klänge spontan einzubauen. Aber von dort sollte man eine regelmäßige Show übertragen: Jeder Gast sitzt an einer Geräuschquelle und muss seinen Vortrag z. B. mit schweren Schritten auf der Wendeltreppe untermalen. Ich würde mich zur Not sogar zwingen lassen, die Sendung zu moderieren.www.guidotartarotti.at guido.tartarotti(at)kurier.at