über LEBEN: Offener Zungenbeinbruch

über LEBEN: Offener Zungenbeinbruch © Bild: KURIER

Guido Tartarotti über Rosamunde-Pilcher-Filme und deutschen Fernsehstudioakzent

Ich muss heute ein etwas peinliches Geständnis machen, aber . . . ich liebe Rosamunde-Pilcher-Filme im Fernsehen. So, jetzt ist es heraus. Allerdings weder wegen der lächerlichen Geschichten noch wegen der Landschaftsbilder. Ich finde wogendes Cornwaller Heidekraut, in dem Klaus Wildbolz neben einem Schaf steht, und man weiß nicht genau, wer ist wer, eher ermüdend. Aber ich finde es wunderbar, dass Klaus Wildbolz im Film Alec Haverstock heißt, ohne im geringsten haverstockisch auszusehen und zu sprechen. Sogar das Schaf, das im Film Lucy oder Mabel heißt, mäht mit deutschem Fernsehstudioakzent. Ich finde es einfach großartig und komisch, wenn in so einer Verfilmung jemand sagt: Petula, das kannste nich machen! Nee, wir fahren heute nicht mehr nach Leicestershire, da ham wa nichts von! Leider kann ich kein Schwedisch, aber meine liebe Kollegin A., die aus Schweden stammt, versichert mir glaubhaft, diese Anna-Lindström- (oder Inga Lindholm, oder wie das heißt)-Filme seien noch viel komischer. Wenn nämlich deutsche Seriendarsteller versuchen, Wörter wie "Norrköpping" oder "Kalixälv" oder "Surströmmingsskiva" ohne offenen Zungenbeinbruch auszusprechen.

Ich warte ja sehnsüchtig darauf, dass das schwedische Fernsehen einmal auf die Idee kommt, in Österreich spielende Kitschfilme zu drehen. Wenn dann Schauspieler namens Pär Ole Nasenström oder Gunnar Petter Frukosten Figuren spielen, die im Film Sepp Himmelfreundpointner oder Huber-Koarl heißen. Das werden Dialoge! "Høllårødulliø! Yst då nog ein Plads fraj?" - "Jå kløår, seds dy här dø. Øllås lywånd?" Man könnte auch echte Stars in die Besetzung einbauen: Björn Borg als Hansi Hinterseer, die Gruppe ABBA als Zillertaler Schürzenjäger und Halvar von Flake als Berggipfel.

Erstellt am 05.12.2011