über LEBEN: Launigkeitsterroristen

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Guido Tartarotti über witzlose Witz-Erzähler
Guido Tartarotti

Guido Tartarotti

Ich habe mich unvorsichtigerweise mit den Witz-Erzählern angelegt. Keine gute Idee, denn Witz-Erzähler verstehen keinen Spaß. Unlängst beschrieb ich zwanghafte Witz-Erzähler als Launigkeits- terroristen, die ständig Grenzübergänge von Scherz zu Schmerz suchen und finden. Seither schütten mich die vermutlich in einer eigenen Innung organisierten Witz-Erzähler mit beleidigten, erstaunlich witzlosen E-Mails zu. Herr A. R. etwa drosch mir die Worte "garantierte Humorfreiheit" um die Ohren. Ja eh, Humor. Die Verwechslung von Humor mit Witzen, in denen ein Transvestit, die Fekter und ein Elefant beim Urologen sitzen und am Ende lautet die Pointe "Rüssel", die ist ja leider ein weit verbreitetes Leiden. Im " Villacher Fasching" hörte ich einmal folgenden: "Jodelt dei Frau a so, wenns kummt? - Na, sie hot an Haustorschlüssel." Wie soll man da nicht traurig werden?

Wo waren wir? Sie müssen entschuldigen, ich kann mich gerade schwer konzentrieren, denn vor dem Haus tobt ein Straßenfest mit einer verheerenden Schlagerband. Wo ist die NATO, wenn man sie braucht? Ach ja, wir waren bei der anderen großen, volkstümlichen Menschenrechtsverletzung, den Witzen. Das Problem mit den Witz-Erzählern ist ja, sie halten niemals das Wichtigste: die Goschen. Sie ertragen es nicht, wenn andere reden, weil sie zu einem echten Gespräch nichts beizutragen haben. Also brüllen sie die gefürchteten Worte "Kennt's ihr den?" und ermorden jede Unterhaltung. Sie sind nicht böse, nur hilflos, und sie haben keine Ahnung, was wirklich lustig ist. Nämlich z. B. dieses. Letztens sagte das Kind einer Freundin zum Thema Tod: "Wenn ein Mensch tot ist, aber noch nicht ganz, darf man ihn aus dem Fenster hauen, weil dann geht's schneller. Aber nicht höher als zweiter Stock, sonst ist es gemein."

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