über LEBEN: Ich bin das nicht

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Guido Tartarotti über die Angst vor der Premiere und die Wahrheit

Was ist das Unvernünftigste, das ein Kritiker machen kann? Richtig, sich selber auf die Bühne stellen. Am Dienstag ist es soweit. Da betrete ich die Bühne des Theaters im Alsergrund und spiele mein neues Kabarettprogramm "Daneben" öffentlich vor.

Zum Vernünftigsein fehlte mir schon immer das Talent. Und damit ich es mir gleich noch schwieriger mache, ist "Daneben" keine Lesung mit Stand-up-Comedy wie der Vorgänger "Über Leben", sondern, äh, ein kabarettistisches Stück. Und obwohl die Hauptfigur ein Kolumnist ist und mir ähnlich sieht, bin das nicht ich. Ich spiele eine Figur. Einen grantig gewordenen, neurotischen Zyniker, der berufsbedingt gegen alles ist: Gegen Bärlauch und Kaffee, gegen Nasenhaare und Protestwähler, gegen Raucher und Nichtraucher, gegen Psychotherapie und Kantinenessen. Schon im Kindergarten war er anders als die anderen - weil beim Rechter-rechter-Platz-Spiel nur der grausliche Heinz Christian neben ihm sitzen wollte.

Weil er sich selbst nicht mehr leiden kann, versucht er es mit Dafürsein - und scheitert kläglich. Sein liebstes Hobby ist der Besuch von Flughäfen, weil er dort immer so froh ist, dass er nicht fliegen muss. Eines Tages hört er dort eine Durchsage, die sein Leben verändert.

Was man mir wohl nicht glauben wird: Die Geschichten, die meine Figur erzählt, sind alle wahr. Die Oma, die Strumpfhosen durchs Haus spannte; die irren Computerpannen; die verunglückten Zeitungstexte; die unfassbaren Zitate aus Leserbriefen; der Diät-Schweinsbraten; die APA-Meldung über die Tanzbärleistungen: alles echt.

Bis Dienstag - ich habe mich noch nie auf etwas so gefreut und gleichzeitig noch nie etwas so gefürchtet wie diese Premiere.


Guido Tartarottis neues Kabarettprogramm "Daneben" läuft ab 12. Oktober im Theater im Alsergrund und im Stadttheater Walfischgasse.

(kurier) Erstellt am
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