Meinung | Kolumnen | Ueberleben
05.12.2011

über LEBEN: Handlungsbedarf

Haben Prinzen überhaupt einen Darm? Oder lassen die verdauen?

Jetzt heißt es vorsichtig sein. Der Leser M. schrieb mir, er sei von meinen Kolumnen bitter enttäuscht. Mir falle nichts mehr ein, weshalb ihm das Frühstücksei nicht mehr schmecke: "Tartarotti, da gibt's Handlungsbedarf und zwar dringend!" Da mir der Frühstückskomfort meiner Leser ein wichtiges Anliegen ist, fragte ich nach, was Herr M. gerne lesen würde. Herr M. wünschte sich die Auseinandersetzung mit der Frage: Warum ist die Prinzenhochzeit als Thema so sexy? Herr M.: "Was macht das Leben anderer, die man persönlich eh nicht kennt, so interessant?" Ich glaube: Genau die Tatsache, dass man sie persönlich nicht kennt. Um einen Satz des großen, weisen Josef Hader abzuwandeln: Die meisten Menschen verlieren so dadurch, dass man sie kennenlernt. Würden wir das Ehepaar Wales privat treffen, müssten wir vielleicht feststellen, dass er infolge häufigen Würstchen-mit-Püree-Konsums unter morgendlichen Darmwinden leidet. (Andererseits: Haben Prinzen überhaupt einen Darm? Oder lassen die verdauen?) Und Frau Wales hat vielleicht peinliche Vorlieben für schottische Sonnenuntergangsfotografie, gehäkelte Klopapierrollenhauben und Lady Gaga. Eine Prinzenhochzeit ist nicht Realität, sondern Operette, wie der Autor Georg Markus analysierte. Aus gutem Grund werden die Hochzeiten live übertragen, nicht aber die Scheidungen. Wir müssen Shakespeare ja dankbar dafür sein, dass er Romeo und Julia sterben ließ. Somit hat er sich und uns Stücke wie "Romeo und Julia in Paartherapie" , "Romeo und Julia streiten um das Sorgerecht für den Hund" und "Romeo ist mit dem Zahlen der Alimente in Rückstand" erspart.Die letzten drei Vorstellungen von Guido Tartarottis Kabarettprogramm "Daneben": 9. Mai, Stadttheater Walfischgasse, 3. und 4. Juni, Theater im Alsergrund.