Meinung | Kolumnen | Ueberleben
05.12.2011

über LEBEN: Gewaltig intim

Guido Tartarotti über dumme Hunde, Gewalt und Kinder.

Ich hab noch nie wen geschlagen. (Ich hab auch noch nie ein Auto gewaschen, eine Krawatte getragen oder in ein Schwimmbad gepinkelt. Aber das ist eine andere Geschichte.) Keinen Mann, keine Frau, kein Kind, kein Tier. Nein, das stimmt nicht. Einmal verdrosch ich einen Hund. Ich bin nicht stolz darauf, man sollte Hunde niemals hauen, aber ich war 15 und überfordert. Mein Hund hatte mein Meerschwein gefressen. Er hatte mit der Schnauze den Käfig geöffnet, das Meerschweinchen namens "Rennfahrer" herausgepflückt, sauber in zwei Hälften gebissen und hinuntergeschluckt. Das Ganze geschah schneller, als meine Schwester Luft holen konnte, um zu kreischen. Wir hatten den Hund aus der Sendung "Wer will mich" mit Edith Klinger. Frau Klinger beschrieb uns den Hund als "gutmütig und familienfreundlich", was eine glatte Lüge war. Der Hund war ein Idiot, aggressiv und verhaltensgestört. Wir hätten ihn einschläfern lassen sollen, aber das brachten wir nicht übers Herz. Einmal fraß der Hund in Minutenschnelle eine ganze Gans. Zum Glück war sie vorher schon tot gewesen - mehr als das, sie war sogar gefroren.

Ich hatte noch nie einen sogenannten Wickel. Ich habe mich als Jugendlicher nicht geprügelt, ich habe als Kind nicht gerauft. Ich verachte Gewalt zutiefst. Gar nicht so sehr aus Menschenfreundlichkeit, eher wegen des Gegenteils. Einander zu schlagen ist ein zutiefst intimer Akt, und ich erachte die meisten Menschen nicht für würdig, mir so nahe zu kommen - vor allem die gewaltbereiten. Ich wollte als Kind nicht raufen, weil ich als Kind keine Kinder mochte. Ich empfand als Kind die meisten anderen Kinder als roh, gemein, grausam und dumm. Sie schnitten mit dem Taschenmesser Hirschkäfern die Beine ab und lachten darüber. Und solche Leute wollte und will ich nicht einmal mit der Faust berühren.