über LEBEN: Finnland

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Guido Tartarotti über Finnland und seine Bewohner.

Finnland, wo angeblich der Weihnachtsmann wohnt, besteht aus Schnee, Tannenbäumen und Kälte. Davon abgesehen ist Finnland leer, pro Quadratkilometer findet man nur 15 Finnen, und auch die verstecken sich gut. Irgendwann in der finnischen Geschichte hat der Großteil der Finnen spontan beschlossen, in den Süden zu ziehen und lieber Griechen oder Portugiesen zu sein, egal was, Hauptsache, es ist warm.

Die Finnen sind freundlich, was man allerdings nicht gleich merkt, da die Finnen fast nichts sagen. Das liegt erstens an der typischen Langsamkeit der Finnen. (Haut sich ein Finne im Dezember die große Zehe an, kann es sein, dass er erst im März "Aua" sagt, er will ja nicht für schwatzhaft gehalten werden.) Zweitens hat die Schweigsamkeit einen praktischen Grund: Da es so wenige Finnen gibt, treffen sie selten wen, mit dem sie sich unterhalten können. Zumal niemand außer ihnen Finnisch spricht. Und hier sind wir bei Grund Nummer drei: Die finnische Sprache ist so kompliziert, dass Schweigen eine verführerische Alternative darstellt.

Finnisch klingt so wie Ungarisch, nur ganz anders. Finnisch hat 15 Fälle, aber selbst die ältesten Finnen können sich nicht erinnern, je alle 15 in der freien Wildbahn angetroffen zu haben. Finden die Finnen ein Wort, das sie gerade brauchen, in ihrer eigenen Sprache nicht, dann entwenden sie es aus einer anderen und hängen ein i an. Besserwisseri heißt Besserwisser. Entscheidend im Finnischen sind die Doppelbuchstaben: Tuli heißt "Feuer", tulli heißt "Zoll", tuuli heißt "Wind" (tuullii heißt garnix). Zahlwörter werden zusammengesetzt, jeder Teil wird einzeln dekliniert: Kahdestasadastakolmestakymmenestäneljästä talosta heißt: Aus 234 Häusern. Aus verständlichen Gründen hat jedoch noch nie ein Finne "aus 234 Häusern" gesagt.

(kurier) Erstellt am
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