Meinung | Kolumnen | Ueberleben
16.12.2011

über LEBEN: Es gibt mich noch

Guido Tartarotti über Missverständnisse.

Ich muss jetzt etwas klarstellen: Es gibt mich noch. Ich kann das auch beweisen: Ich werde jetzt etwas schreiben, z. B. das Wort " Eberesche" (weil ich finde, dass das ein schönes Wort ist), und Sie werden es hier lesen können: Eberesche. Ja, und auch mein Hund ist nicht gestorben, also schon, aber schon 1987.

Ich muss das alles klarstellen, weil mir in den vergangenen Wochen mehrere Menschen zum Tod meines Hundes Barolo kondoliert sowie ihr Bedauern darüber ausgedrückt haben, dass ich hier nicht mehr schriebe. Ich habe all diese Mails treu an Christian Seiler weitergeleitet.

Ich bemerke in letzter Zeit öfter, dass ich nicht als ich gesehen werde. So bekam ich einen Leserbrief, der sich detailgenau mit meiner Kritik des Musicals "Sister Act" auseinandersetzte und insbesondere meine zu legere Einstellung gegenüber tanzenden Nonnen beklagte. Ich versprach dem Leser, in mich zu gehen und dort meine Tanzendenonnenhaltung zu hinterfragen, wies aber gleichzeitig daraufhin, dass ich diese Kritik nicht geschrieben hatte, gar nicht geschrieben haben konnte, da ich nämlich Musicals im Allgemeinen und "Sister Act" im Speziellen stets großräumig umfahre.

Eine andere Leserin war mir böse, weil ich Tennis als nicht fernsehtauglich bezeichnet hätte. Ich bat sie, mir diese Kolumne zu schicken, damit ich mir selber böse sein könnte – seit Jahren versuche ich nämlich das Fernsehen davon zu überzeugen, mehr Tennis zu senden. Zwei mir nicht bekannte Leserinnen teilten mir wiederum unabhängig voneinander mit, dass sie mich demnächst heiraten würden. Ich werde nicht als ich wahrgenommen. Kürzlich gehört auf der Post: "Ich lese alle ihre Kolumnen! Tartanotti . . . ist das der Vor- oder Familienname?" Noch nie aber hat mir jemand geschrieben: Frau Polly, Sie haben so schöne Augen. Schade eigentlich.

 

www.guidotartarotti.at

guido. tartarotti(at)kurier.at