Meinung | Kolumnen | Ueberleben
05.12.2011

über LEBEN: Erster Aufriss

Guido Tartarotti über seine späte erste Eroberung.

Mein Vater hat mir einmal erzählt, wie er als schüchterner Mann erfolgreich Frauen angesprochen habe: "Entschuldigen Sie, gnädige Frau, wenn ich Unsinn rede, aber das ist Ihre umwerfende Wirkung auf mich." Bei mir hat der Spruch weniger gut funktioniert, irgendwie passte er nicht auf einen Schulhof, gefüllt mit vor lauter Hormonen dampfenden 14-Jährigen. Ich hab nie wen aufgerissen, ich wusste gar nicht, wie das geht. Als junger Mensch stand ich dekorativ in der Gegend herum und wartete, bis mich eine küsste. Mit steigendem Alter ging ich dazu über, durch Dauerplappern vom Schwinden meines dekorativen Werts abzulenken, bis mich eine küsste, um endlich meinen Mund zu schließen. Einmal blickte mich eine fassungslos an und sagte: "Glaubst du eigentlich den ganzen Unsinn, den du da plapperst?" Die hab ich dann geheiratet. Rätselhaft erschien mir immer, dass meine Freunde zwecks Aufrisses in die Disco gingen. Um mit Frauen dort in Kontakt zu kommen, musste man sie "antanzen", was der würdeloseste Vorgang war, den ich je beobachtet habe. Einmal ging ich mit einem entzückenden Mädchen nach einer Party von einer Wienerwald-Hütte zu Tale. Etwa auf halbem Weg gab das Mädchen an, es laboriere an einem verstauchten Knöchel. Ich widmete mich der Behandlung des Knöchels, was das Mädchen verärgerte, denn es hatte die Verletzung nur vorgetäuscht, um mit mir zu schmusen. Das Mädchen lud mich zu sich nach Hause ein, wo ich mit ihm redete, weil ich fälschlicherweise annahm, es wolle reden. Wir brachen den Abend dann ab und setzten ihn 15 Jahre später mit mehr Erfolg fort. Als Mittdreißiger machte ich meinen ersten aktiven Aufriss: Wenn du eine triffst, die Stones, Bier und Shakespeare mag, klug, lustig und fesch ist, dann küss sie! Los! Mach schon, du Feigling!guido.tartarotti@kurier.at