über LEBEN: Bärlauch

tartarotti
Foto: KURIER

Guido Tartarotti outet sich als Bärlauch-Hasser.

Das erste Bärlauch-Gericht auf der Speisekarte der Kantine ... Für mich beginnt jetzt eine Zeit, in der ich ganz stark sein muss: Millionen hervorragender, mit Liebe und sicherer Hand zubereiteter, moralisch wie geschmacklich einwandfreier Suppen, Salate, Aufläufe, Eintöpfe, Fleischspeisen, Risotti und Paste werden hingemeuchelt durch Zugabe jenes Krauts, das der Starkoch Tim Mälzer einmal "die Pest auf Deutschlands Speisekarten" nannte.

Aber ich weiß ja eh: Es ist sinnlos. Mälzer, der bekennende Bärlauch-Hasser Otto Schenk und ich, wir sind allein. Ihr da draußen streut den Bärlauch gerne und voller Genuss in euer Essen, auf dass das Turnsocken-Aroma jeden Eigengeschmack der Nahrungsmittel morde. Da ihr so viel mehr seid als wir, gestehe ich: Vermutlich stimmt mit mir etwas nicht, dass mir dieses Modekraut kein Vergnügen bereitet. Wahrscheinlich habe ich einen Knick in der Nase. Ihr habt Recht, ich habe Unrecht! Da dies hier aber meine Kolumne ist und nicht eure, sage ich es noch einmal: Beware of the Bärlauch! So.

Der Bärlauch zeigt uns an, dass der Frühling vor der Tür steht und mit Nachdruck fordert, hereingelassen zu werden. Und der Frühling riecht ja entgegen seinem Image ohnehin nicht gut. Zumindest am Anfang. Die ersten Frühlingstage riechen vor allem nach den in der Sonne auftauenden Hundstrümmerln des Winters. Aber immerhin riecht es nach irgendetwas. Der Winter riecht ja nicht, außer zu Weihnachten, und manchmal nach frischem Schnee.

Mitte April beginnt es dann, nach Flieder zu duften. Fliedergeruch wird mich immer an die Zeit erinnern, als ich in der Sonne lag, Doors hörte und für die Matura lernte, die wunderbare Gewissheit in der Nase: Jetzt entlässt mich die elende Schule bald in die große, heiße, unberührte Freiheit eines weit offenen Lebens.

guido.tartarotti(at)kurier.at

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