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05.12.2011

über LEBEN: Astrologie

Guido Tartarotti über den Nachweis der Nichtbeweisbarkeit.

Unlängst las ich, dass immer mehr Manager personelle oder wirtschaftliche Entscheidungen von Horoskopen abhängig machen. Kein Wunder, dass die Weltwirtschaft so toll dasteht. Ich würde ja jedem raten, dem ein Job verweigert wird, weil er z. B. so wie ich Zwilling mit Assistent Meerschweinchen und Schlepplift im Hydrant ist, sofort wegen Verstoß gegen die Gleichbehandlung zu klagen. Von den Astrologie-Jüngern wird gern das Argument missbraucht, es sei ja bis heute nicht gelungen, die Astrologie zu widerlegen. Dieser Logik folgend könnte man auch sagen, der Weihnachtsmann gilt solange als existent, bis jemand seine Nichtexistenz beweist. Da das Nichtvorhandensein nicht beweisbar ist, liegt die Beweislast in der Wissenschaft auf der anderen Seite: Astrologie muss solange als Unsinn gelten, bis jemand das Gegenteil nachweist.

Das finden Sie nicht? Na gut, dann behaupte ich hiermit: Die Tatsache, dass ich täglich um 7.13 Uhr morgens im linken Nasenloch bohre, verhindert das Ausbrechen einer Pestepidemie in Brunn am Gebirge. Bis Sie mir nachweisen können, dass das nicht stimmt, erwarte ich mir Respekt sowie die Anerkennung meiner These als Wissenschaft. Ich behalte mir zudem die Gründung einer Religionsgemeinschaft vor. Astrologie hat sich nicht deshalb so lange gehalten, weil an ihr etwas dran ist - gerade ihre Unseriosität macht sie so sexy. Der Mensch erträgt nichts so schlecht wie seine Freiheit. Die Astrologie erlaubt es ihm, nicht selbst verantwortlich zu sein. Das hat er gern. Der Mensch ist ein Kind, er möchte nicht erwachsen werden. Wenn Sie mich jetzt entschuldigen, die Pflicht ruft. Es gilt, die Pest abzuwehren. Guido Tartarottis neues Kabarettprogramm "Daneben" läuft ab 12. Oktober im Theater im Alsergrund und im Stadttheater Walfischgasse.