über eine ästhetische Katastrophe
10/26/2012

Kreisverkehr

über LEBEN: Guido Tartarotti über eine ästhetische Katastrophe.

von Guido Tartarotti

Kreisverkehr lädt dazu ein, Gewaltakte wider den guten Geschmack zu setzen

Guido Tartarotti | über eine ästhetische Katastrophe

Ein Fischerboot, aus dem Blumen wachsen. Eine orange Schneeschaufel. Eine orange Zwiebel. Ein Saurier. Ein Kampfflugzeug. Diverse Phallus-Symbole, mit oder ohne Springbrunnen. Ein Osterhase aus Strohballen. Eine Nase. Ein Tirolerhut. Ein Riesen-Waldrapp aus Metall. Eine Schafherde aus Metall. Obst und Gemüse aus Metall. Diverse abstrakte Kunstdingse aus Metall, die so aussehen, als hätte der Bürgermeister zum Wirten gesagt: „Du, deine Hertha macht doch immer so schöne Sachen, könnt die nicht ...?“ Eine rostige Eisenbahnschiene. Von den Dutzenden und Aberdutzenden Weinpressen aus Holz, die in Gebieten mit hohem Alkoholikeranteil auf das bevorzugte regionale Suchtmittel verweisen, reden wir ja gar nicht.Der Kreisverkehr. Nach Jahrzehnten des Übens haben wir Österreicher inzwischen verstanden, dass er nichts mit Greisverkehr, also dem Privatleben von Richard Lugner zu tun hat. Und dass er, sofern man mit seiner Bedienung vertraut ist, den Straßenverkehr beschleunigt.Aber! Ästhetisch ist der Kreisverkehr eine verheerende Katastrophe, denn seine zwangsläufig entstehende kreisrunde Mittelfläche lädt verhaltensoriginelle Künstler, Gemeindepolitiker, Gartengestalter dazu ein, furchtbare Gewaltakte wider den guten Geschmack zu setzen.Der hässlichste und gleichzeitig sinnloseste Kreisverkehr steht, und darauf bin ich ein wenig stolz, bei mir um die Ecke: Eine riesige Hand aus Beton streckt sich gen Himmel, und auf der Handfläche steht ein Auto. Der Gag dabei: An der Stelle braucht es überhaupt keinen Kreisverkehr, denn dort befindet sich nur eine Straße plus Parkplatzeinfahrt. Der ganze Irrsinn dient offenbar nur einem Zweck: Dass ein lokaler Autohändler werben kann.

Guido Tartarottis Kabarettprogramm "Heini Hemmi": Nächste Vorstellungen am 3. November (Stadttheater Walfischgasse), 30. November (Theater am Alsergrund). 

www.guidotartarotti.at

guido.tartarotti(at)kurier.at

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