Meinung | Kolumnen | Ueberleben
05.04.2018

Hells Bells

Wie meine allererste Single-Schallplatte den Weg zu mir zurück fand.

Die erste Schallplatte, die ich mir selbst kaufte (also mit Musik drauf, nicht mit Winnetou oder Wickie), war „Hells Bells“ von AC/DC. Für eine Single reichte das Taschengeld, sie kostete genau 50 Schilling.  (Die erste Musikplatte, die ich besaß, war „Money Is Addiction“ der österreichischen Disco-Band Ganymed. Aber die kaufte ich definitiv nicht, die fand ich auf der Straße, hörte sie genau einmal, und warf sie wieder auf die Straße.) Von „Hells Bells“ ausgehend  entstand über die Jahre eine schöne Plattensammlung, die ich vor etwa 20 Jahren, in einem Anfall des Wahnsinns, den Versprechungen der Industrie Glauben schenkend, wegwarf und mir alles und noch viel mehr auf CD neu kaufte.

Jetzt habe ich wieder einen Plattenspieler.  Für mich typisch, geht das nicht ohne Panne ab: Ich suche mir einen guten Plattenspieler aus, trage den riesigen Karton nach Hause – und stelle fest, dass ich einen Plattenspieler in Hunderten Einzelteilen gekauft habe, mit einer Zusammenbauanleitung auf Klingonisch, so kompliziert, dass man einen Weltraumtechniker zum Montieren bräuchte. Zufällig ist der Vater meiner Freundin ein solcher, wohnt aber weit weg. Also pfefferte ich den  Krempel wieder in den Karton, ging zurück ins Geschäft und brüllte „Sie bauen mir den Schas jetzt auf der Stelle zusammen“. Und das taten sie dann sogar.

Jetzt kaufte ich wieder alles auf Vinyl neu, unterstütze damit den Wirtschaftsaufschwung und freue mich wie ein Kind über die wunderschönen, großen Cover und den warmen Klang. Und dann rief meine Schwester an und sagte, sie habe im Keller etwas gefunden ... In einem alten Sack steckten meine geliebte Aufnahme von Dvoraks Neunter ( Josef Krips, Zürich, 1960, viel besser als Karajans Interpretationen), die alte Pirron & Knapp-Platte meines Vaters, meine Fünffach-Live-LP-Box von Springsteen – und ganz unten, klein, arm und zerkratzt, eine alte Single: „Hells Bells“.  Rocker weinen natürlich nie, aber ich bin ja glücklicherweise keiner.

 

Guido Tartarottis Kabarettprogramm "Selbstbetrug für Fortgeschrittene" ist am 13. April in Forchtenstein, am 22. April in der Kulisse Wien und am 26. April im Theater am Alsergrund zu sehen.