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24.03.2018

Der Georg ist 50.

Er war mein bester Freund, und sowas bleibt man im Grunde genommen für immer, auch, wenn man einander kaum noch sieht.

Plötzlich werden Menschen, mit denen ich in der Schule war, 50.  Und ich ertappe mich bei dem  absurden Gedanken: Wieso sind die denn so alt, die waren doch immer gleich alt wie ich? Und: Auf die Party gehe ich sicher nicht, was soll ich auf einer Party mit alten Leuten?  (Vielleicht gehe ich deshalb so ungern auf Partys, weil sie mich daran erinnern, was ich bin.)

Mit einer Ausnahme: Heute feiern wir den Georg (zu sechst, das ist für mich schon eine Großraumparty). Und auf den Georg freue ich mich von ganzem Herzen. Er war mein bester Freund, und sowas bleibt man im Grunde genommen für immer, auch, wenn man einander kaum noch sieht.

Kennen gelernt haben wir einander, als wir 13 waren. Er war der coolste Bursche in der Schule. Auf dem Eislaufplatz sauste er in sogenannten Eishockeyschuhen dahin, sehnsüchtig beobachtet von allen Mädchen der Schule, während ich mich, in den weißen Eislaufschuhen meiner Mutter steckend, verzweifelt an der Bande festhielt und versuchte, mich nicht noch lächerlicher zu machen, als ich eh schon war.

Wir wurden Freunde, ich weiß nicht mehr, warum. Vielleicht tat ich ihm leid, weil ich so linkisch war, vielleicht fand er mich originell, weil ich anders war und anders dachte als die anderen. Er gab mir dann „Coolheitsunterricht“,  erklärte mir, was man tun und sagen (und vor allem: nicht tun und nicht sagen) musste, um „cool“ zu sein.

Wir fuhren zusammen nach Rom, tranken  unsere ersten Schlucke Wein, besuchten den Meditationskurs (das galt an unserer Schule als cool), fuhren die verrücktesten Tiefschneeabfahrten, wurden zusammen erwachsen. Als ich heiratete, war er mein Trauzeuge, und schenkte mir einen antiken Duellsäbel – um etwaige Nebenbuhler abzuwehren. Und als ich mich scheiden ließ, war er mir böse. Dann führte ihn die Karriere weit weg. Heute sehe ich den Georg wieder und freue mich. Außerdem glaube ich, ich könnte wieder ein wenig Coolheitsunterricht brauchen.

 

Guido Tartarottis Kabarettprogramm "Selbstbetrug für Fortgeschrittene" ist am 13. April in Forchtenstein, am 22. April in der Kulisse Wien und am 26. April im Theater am Alsergrund zu sehen.