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03.06.2017

Top Gun: Öde Luftkampfpornografie

Ich hasste „Top Gun“ dafür, was dieser Film aus meinen Freunden machte.

Was klang wie ein gefoltertes Meerschwein.

Guido Tartarotti | über "Top Gun".

Dieser Tage stand in der Zeitung: Tom Cruise kündigt Fortsetzung von „Top Gun“ an. Und ich dachte mir spontan: Danke, sehr nett, aber muss nicht sein.

Der Film, herausgekommen 1986, ist so ziemlich das Langweiligste, das ich je gesehen habe: Blasierte Jungbuben streiten darum, wer von ihnen der beste Pilot ist und richten dabei gröbere Sach- bis Personenschäden an. Strafverschärfend wird das Hauptbubi von einem schauspielschülerhaften Tom Cruise verkörpert, der offenbar monatelang geübt hat, arrogant grinsend eine verspiegelte Sonnenbrille aufzusetzen, aber nicht, wie man einen Text aufsagt, ohne den Schleudersitz auszulösen.

Noch öder als dieser Kampfpilotentestosteronquatsch war die sich über endlose Zeiten erstreckende Luftkampfpornografie. Es konnte damals passieren, dass man als Mittelschüler ins Kino ging und zwei Stunden später als Enddreißiger wieder herauskam.

Die Wahrheit ist: Ich hasste „Top Gun“ dafür, was dieser Film aus meinen Freunden machte. Gerade noch hatten wir uns gemeinsam für Rockmusik begeistert, für Fußball und für die Penthouse-Heftln der älteren Brüder. Plötzlich verwandelten sich meine Freunde in verstrahlte Idioten, die sinnloses Zeug über „Tomcats“ und „MIG-28“ brabbelten, mit ihren Handflächen Luftkampfszenen nachspielten und Düsengeräusche imitierten, was aber eher so klang wie ein gefoltertes Meerschwein. Meine Freunde glaubten, das alles mache sie erwachsener – dabei, fand ich, wirkten sie wieder wie Kinder.

Das hasste ich nämlich in Wahrheit am meisten an dem Film: Dass er mich von meinen Freunden trennte. Natürlich kapierte ich damals nicht, dass der Film ein einziges Werbevideo des an der eigenen militärischen Macht besoffenen Reagan-Amerika war. Aber irgendwie spürte ich: Ich will da nicht mitmachen. Und das tut weh, wenn man 16 und sehr unsicher ist: Alles in dir will dazugehören – aber gleichzeitig weißt du, nein, das wäre falsch.

Guido Tartarottis neues Kabarettprogramm "Selbstbetrug für Fortgeschrittene" ist am 8. Juni im Casino Baden zu sehen.