über Fußball und die Nostalgie.
06/18/2016

Ka Fuaßboi mea in meine Augn.

Diese Kolumne ist ein Gruß aus einer Zeitzone, als Österreich noch kommender Europameister war.

von Guido Tartarotti

,Ka Fuaßboi mea in meine Augn.'

Guido Tartarotti | über Fußball und die Nostalgie.

Vorausschicken muss ich, dass wir uns in verschiedenen Zeitzonen befinden.

Bei mir ist es Freitag, der 10. Juni, zehn Uhr Vormittag, es ist sonnig, von rechts, vom CD-Player, höre ich die Byrds, von links, vom offenen Fenster, den Hausmeister beim Heckenschneiden. Heute ist Abgabetermin für diese Kolumne. In einigen Stunden wird die EM eröffnet, Österreich spielt in vier Tagen zum ersten Mal. Bei Ihnen ist es (vorausgesetzt, Sie lesen diesen Text am Erscheinungstag und die Welt ist nicht untergegangen) Samstag, der 18. Juni. Heute Abend spielt Österreich gegen Portugal, das Ungarn-Match ist schon ein paar Tage her. Sie wissen also schon, wovon ich keine Ahnung habe: Himmelhoch jauchzend – oder zu Tode betrübt? (Die Haltung dazwischen ist in Österreich im Prinzip nicht vorgesehen und am ehesten als „In Vorbereitung auf zum Zu-Tode-betrübt-Sein“ zu erleben.)

Genau diese Haltung nahm der Mann ein, dem ich gestern in meiner Zeitzone im Freibad zuhörte. Typus von der Sonne gedörrter Profi-Badbesucher von etwa 75 Jahren, natürlich Fußballexperte. Das mit der EM könne nichts werden, analysiert er. Bemerkenswerte Begründung: Eben WEIL die Österreicher bei Topvereinen im Ausland engagiert seien – die Spieler seien einander praktisch unbekannt und könnten daher nicht gut zusammenspielen. Und überhaupt: „Des G’spü is nua mea Umadumscheibn. Frira is ma g’rennt und hot g’schossn. Do hot’s dann a Dore gem. Heit? Ka Fuaßboi mea in meine Augn.“ (Lustig: Noch vor 20 Jahren beklagten die Fußballexperten im Bad genau das Umgekehrte – dass das „Altwiener Scheiberlspiel“ ausgestorben sei).

Wer Gefahr läuft, dem „Früher war alles besser“-Selbstbetrug zu erliegen, möge sich das berühmte Cordoba- Spiel anschauen. Ich habe die DVD daheim und mach das manchmal, wenn die Verführung zur Nostalgie zu groß wird: Behäbiger Zeitlupenfußball, klar überlegene Deutsche, ideenlose Österreicher. Abgesehen von zwei Genie-Anfällen Krankls nicht zum Anschauen.

Guido Tartarottis neues Kabarettprogramm "Selbstbetrug für Fortgeschrittene" hat am 2. September im Niedermair in Wien Premiere. Zweite Vorstellung am 22. September im Theater am Alsergrund.

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