über Echoblase und Zeitschleife.
10/29/2016

Ich mag die Vergänglichkeit

Mjam. Lecker.

von Guido Tartarotti

Es entsteht langsam ein Facebook-Parallel-Universum, ein Zuckerberg-Kontinuum.

Guido Tartarotti | über Echoblase und Zeitschleife.

Es gibt ein interessantes neues Verhaltensmuster auf Facebook: Man postet ein, drei oder mehr Jahre alte Postings noch einmal. Facebook bietet diese Funktion täglich an: „Teile deine Erinnerungen!“ Es geht ja darum, die Kundschaft möglichst dauerhaft an Facebook zu binden, und auf dem Umweg der Nostalgie funktioniert das sehr gut.

Außerdem ist das Konzept des Posting-Recyclings genial. Wenn dem Poster nichts mehr einfällt, was er sagen soll, weil alles schon gesagt wurde oder er müde ist und Darmgrippe hat, bietet ihm Facebook an, doch einfach das selbstgemachte Kürbisschnitzel mit Eiersalat aus dem Jahr 2011 nochmal zu posten, bzw. zum Glück nur das Foto davon, und dazu die goldenen Worte von damals: „Mjam, lecker!“ (Die 37 empörten Kommentare darunter, dass man „lecker“ nicht sagen darf, wir sind ja keine Piefkes, und überhaupt, die sieht man netterweise nicht mehr.)

Damit entsteht langsam, aber sicher ein richtiges Facebook-Parallel-Universum, ein Zuckerberg-Kontinuum. Zum bekannten Filterblasen-Effekt (der Facebook-Algorithmus zeigt uns nur Dinge, von denen er gelernt hat, dass wir sie mögen, anderes blendet er aus) kommt jetzt auch noch die Zeitschleife der sich wiederholenden Postings. Irgendwann sind wir gefangen in einer Echokammer, wo das Echo niemals verhallt, und warten dort auf Godot.

Der Spaß dabei ist ja, dass auf einem Bassena-Medium wie Facebook naturgemäß weniges gepostet wird, das man unbedingt drei Jahre später wiederholen müsste. Die Halbwertszeit der meisten Postings ist gering, sie altern nicht unbedingt gut.

Ich mag ja die Vergänglichkeit. Das ist das Schöne am Schreiben für ein Printmedium: Der wichtigste Text der Welt, aber auch der größte Blödsinn sind einen Tag später Altpapier. Das finde ich fair. Und wenn Sie diese Kolumne nicht mögen – legen Sie sie doch einfach unter Ihr Meerschwein in den Käfig.

Ich verspreche, ich bringe keine Wiederholung 2019.

Guido Tartarottis neues Kabarettprogramm "Selbstbetrug für Fortgeschrittene" ist am 3. November in der Stadtgalerie Mödling und am 18. November und am 20. Dezember im Theater am Alsergrund zu sehen.

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