Meinung | Kolumnen | über LEBEN
05.08.2017

Das ist Jakobs Kolumne!

Eine blutige Stilblüte und gehackte Zehen mit Knoblauch.

Der Fußpilz hat dann keine Chance mehr.

Guido Tartarotti | über gehackte Zehen.

Die heutige Kolumne möchte ich dem Jakob widmen. Jakob ist zehn Jahre alt und wahrscheinlich mein jüngster Leser. Jakob sagt, er ist „fast der einzige“ in seiner Klasse, der schon Zeitung liest. Da haben der Jakob und ich etwas gemeinsam – nur dass es bei mir schon 39 Jahre her ist, dass ich zehn war und der einzige in meiner Klasse, der Zeitung las.

Für mich war das normal: Ich hatte mit der Zeitung schreiben gelernt. Als ich sechs Jahre alt war, ließ mich mein Vater zur Übung innenpolitische Artikel aus dem KURIER abschreiben. Ich machte dabei viele Fehler und biss mir an Begriffen wie „Landeshauptleutekonferenz“ die Zähne aus. Ich begriff auch bald, warum: Was man nicht versteht, das schreibt man falsch, und weil ich nicht falsch schreiben wollte, bemühte ich mich, die Dinge zu verstehen – und las möglichst oft die Zeitung („Landeshauptleutekonferenz“ verstehe ich bis heute nicht ganz).

Damals gab es übrigens auch keinen Nagelpilz, zumindest in meiner Erinnerung nicht. Im Werbefernsehen dominierten Waschmittel, Sparkassen und Speiseöl. Heute handelt jeder zweite Werbespot von Nagelpilzsalben. Aber wir haben damals ja nichts gehabt – wir waren froh, wenn wir uns Zehennägel leisten konnten.

Und falls man doch einmal Probleme mit Pilzbefall hatte, wurden sie anders gelöst als heute. Der Jakob hat mir ein Foto von einem Artikel über alte Hausmittel geschickt. Darin steht: „Im Knoblauch steckt das natürliche Anti-Pilzmittel Ajoene. Es kann jede Form von Fußpilz bekämpfen. Dafür ein paar Zehen fein hacken, mit Olivenöl mischen und mit einem Wattebausch auf die betroffene Stelle auftragen. Vorgang mehrmals am Tag wiederholen, bis Besserung eintritt.“ Jakob findet, das ist eine „blutige Stilblüte“, und ich kann nicht widersprechen. Andererseits: Wenn man wirklich mehrmals am Tag eine Zehe hackt, wird Besserung sehr rasch eintreten – der Fußpilz hat dann nahezu keine Chance mehr.

Guido Tartarottis Kabarettprogramm "Selbstbetrug für Fortgeschrittene" ist am 11. September im Kabarett Niedermair zu sehen, am 27. September im Theater am Alsergrund, am 29. September in der Bühne im Hof in St. Pölten und am 5. Oktober in der Stadtgalerie Mödling.