über eine schaurige Geschichte.
10/01/2016

Das Herz herausgerissen

Einander in der Ewigkeit in die Augen sehen.

von Guido Tartarotti

Der erste Blick am jüngsten Tag.

Guido Tartarotti | über eine schaurige Geschichte.

Alcobaça ist eine Stadt in Portugal, auf halbem Weg zwischen Norden und Süden, sie liegt rechts von Cela Nova, wer’s kennt, und sie hat eine beinahe so hohe Kreisverkehrsdichte wie Tulln. Alcobaça liegt eine halbe Stunde vom Meer entfernt, genügend weit, dass die Touristenströme die Stadt verschonen. Nur Hochzeitspaare fahren dort in Massen hin.

Im Kloster von Alcobaça stehen einander die Sarkophage von König Pedro I. und seiner Geliebten Inês de Castro gegenüber. Die Geschichte dahinter kennt in Portugal jedes Kind: Der Kronprinz verliebte sich in die Hofdame seiner Frau. Als seine Frau starb, lebte er offen mit seiner Geliebten zusammen. Sein Vater aber, der König, ließ Inês, als Pedro auf der Jagd war, im Jahr 1355 ermorden. Pedro begann danach einen Krieg gegen den eigenen Vater, konnte ihn aber nicht besiegen. Als der Vater starb und Pedro selbst König wurde, ließ er angeblich Inês exhumieren und krönen – und der Hofstaat musste ihrer Leiche die Hand küssen. Außerdem nahm er grausam Rache an den Mördern: Sie wurden zu Tode gefoltert – und mussten der Legende nach selbst wählen, ob ihnen am Ende die Herzen von vorne oder hinten herausgerissen würden. Pedro trägt daher den Beinamen „der Grausame“, aber auch „der Gerechte“.

Das Bildnis der Inês auf ihrem Sarkophag sieht traurig aus, der König blickt finster aus seinem Bart, zu seinen Füßen kauert ein kleiner, fetter Hund. Aber die Grabmäler wurden auf Befehl des Königs so angeordnet, dass das erste, was die beiden sehen werden, wenn sie am jüngsten Tag die Augen aufschlagen, der jeweils andere ist.

Deshalb besuchen in Portugal traditionell die Neuvermählten das düstere Kloster von Alcobaça, um eine Ahnung von ewiger Liebe zu bekommen – und dann wieder ins warme Sonnenlicht zu treten, dankbar dafür, dass sie heute leben, wo das Schlimmste, was ihnen droht, eine unschöne Scheidung ist.

Guido Tartarottis neues Kabarettprogramm "Selbstbetrug für Fortgeschrittene" ist am 25. Oktober im Theater am Alsergrund zu sehen, am 28. Oktober im Kellertheater Klosterneuburg und am 3. November in der Stadtgalerie Mödling.

eine Newsletter Anmeldung Platzhalter.

Wir würden hier gerne eine Newsletter Anmeldung zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diesen anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Jederzeit und überall top-informiert

Uneingeschränkten Zugang zu allen digitalen Inhalten von KURIER sichern: Plus Inhalte, ePaper, Online-Magazine und mehr. Jetzt KURIER Digital-Abo testen.