Meinung | Kolumnen | über LEBEN
16.09.2017

1988, Portugal

Wie es sich anfühlt, jung, blöd und frei zu sein.

Wir sind im Prinzip eh in der Karibik – wir schwimmen nur nicht so weit raus.

Guido Tartarotti | über Portugal, Jugend und Freiheit.

Vor 29 Jahren war ich zum ersten Mal in Portugal, und war sofort glücklich. Dabei ging es gar nicht einmal um Portugal, mir war egal, wo ich war, mir war nur wichtig, dass ich war und wie ich war.

Gemeinsam mit meinen fünf besten Freunden hatte ich einen schrottreifen Ford-Transit-Bus um ein paar Tausend Schilling gekauft und hergerichtet (also, hergerichtet hatten die anderen, ich Technikvollpfosten hatte aber sehr kompetent beim Herrichten zugeschaut). Wir malten den Bus im Design einer Marlboro-Schachtel an, befestigten auf der Motorhaube einen Kuh-Schädel und schrieben auf die Heckklappe „Lachen Sie nicht, Ihre Tochter könnte auf dem Rücksitz liegen“. Ja, wir waren 20-jährige Jungbuben und hielten uns für sehr witzig.

Und dann fuhren wir nach Portugal, einfach so, weil es weit weg war. Ich ernährte mich einen Monat lang nur von Bier und den Pizza-Rändern, die mein Freund Bernie, der beim Essen stets heikel war, sehr großzügig überließ. Wir schliefen in Baugruben, in einem Kreisverkehr (wo uns Rasensprenger aufweckten), auf Parkplätzen, in Oliven-Plantagen, aber meistens am Strand. Im Bus schliefen wir nie, dort stank es zu sehr nach uns (wir hatten nicht allzu viel Gewand zum Wechseln mit und wuschen uns nur im Meer).

Das Meer: Der herrliche, eiskalte Atlantik mit seinen riesigen Wellen, in die wir, jung und unsterblich, Kopf voran hineinsprangen. Ich weiß noch, wie wir im Wasser froren und ich zu meinem Freund Wolfi sagte: Wir sind im Prinzip eh in der Karibik – wir schwimmen nur nicht so weit raus.

Ich glaube, deshalb liebe ich Portugal bis heute so: Weil es mich daran erinnert, wie es sich anfühlt, jung, blöd und frei zu sein.

Guido Tartarottis Kabarettprogramm "Selbstbetrug für Fortgeschrittene" ist am 11. September im Kabarett Niedermair zu sehen, am 27. September im Theater am Alsergrund, am 29. September in der Bühne im Hof in St. Pölten und am 5. Oktober in der Stadtgalerie Mödling.