über die "Schande von Gijon"
06/24/2014

Wenn ein Unentschieden aus Siegern Verlierer macht

von Wolfgang Winheim

Inzwischen ist Fußball an High Schools der meistausgeübte Sport. Nur eine g’schobene Partie, ein plump herausgespieltes X, würde den Klinsmann-Boys keiner verzeihen.

Wolfgang Winheim | über die "Schande von Gijon"

Hochsaison für Verschwörungstheoretiker. 1.) reicht Deutschland und den USA in ihrem Duell ein Remis, um aufzusteigen und Cristiano Ronaldo samt dessen Portugiesen aus der WM zu werfen. 2.) coachen mit Joachim Löw und Jürgen Klinsmann zwei deutsche (miteinander befreundete) Teamchefs. Somit ist naheliegend, dass in Wettbüros auf ein X getippt und in Medien vor einem zweiten Gijón gewarnt wird.

Gijón? Morgen ist’s auf den Tag genau 32 Jahre her, dass sich Deutsche und Österreicher in der asturischen Stadt die ganze Fußballwelt (speziell die arabische) zum Feind gemacht hatten, als man sich im letzten Gruppenspiel auf ein 1:0 für Deutschland einigte. Auf genau jenes Resultat, das Paul Breitner und Co. nach ihrer Pleite gegen Algerien zum Aufstieg brauchten. Und das auch den Österreichern, die im Gegensatz zu den Deutschen davor Algerien besiegt hatten, genügte, eine Runde weiterzukommen.

Dass Österreich 1982 danach in Madrid nicht an Qualität, sondern an Gruppenbildung scheiterte, wird von Herbert Prohaska nicht bestritten. Dass das 1:0 in Gijón vorab vereinbart war, hingegen schon. Der Nichtangriffspakt, schwört Prohaska, habe sich erst im Lauf des Spiels ergeben. Ihm ist zu glauben. So wie nun Klinsmann, wenn der sagt: "Gijón ist eine Geschichte des deutschen Fußballs. Nicht die unsere."

Klinsmann fühlt und denkt bereits ganz wie ein Amerikaner. Singt – im Gegensatz zu seinem Assistenten Andreas Herzog – bei der US-Hymne mit. Obwohl 2006 als DFB-Teamchef noch Hauptdarsteller im deutschen Sommermärchen, empfände er nur begrenzt Mitleid, käme es für seine Landsleute am Donnerstag zum brasilianischen Winter-Drama.

Scheiden die Deutschen aus, wäre das eine ähnlich große WM-Blamage wie 1994, als Klinsmann beim 1:2 gegen Bulgarien stürmte. Als sich mit dem damaligen ÖFB-Teamtrainer Prohaska und dem damaligen Legionär Herzog zwei Wiener WM-Touristen in New York bei einem Glas Bier versöhnten. Und als der Fußball, obwohl die USA als WM-Gastgeberland fungierten, nicht annährend so große Begeisterung auslöste.

Inzwischen ist Fußball an High Schools der meistausgeübte Sport. Nur eine g’schobene Partie, ein plump herausgespieltes X, würde den Klinsmann-Boys keiner verzeihen. In diesem Fall hätten fußballfeindliche US-Journalisten, die im Soccer eine Bedrohung für Baseball sehen, Hochsaison.

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