Von Scheiber bis Scheiber

Sie hatten in der Innsbrucker Klinik oft ein Zimmer geteilt: Mario Scheiber, der Kitzbühel-Zweite von 2008 und Hans Grugger, das Streif-Opfer von 2011.

Beide wären im besten Abfahrer-Alter. Wären. . . Das Rennschicksal wollte es anders.

Scheiber (29), dem von Hermann Maier der Gesamtweltcupsieg prophezeit worden war, hatte nach einer schweren, in Chamonix erlittenen Gehirnerschütterung keinen Kopf mehr fürs Rennfahren. Er jobbt jetzt als Versicherungsagent.

Grugger, 31, strebt die Zulassungsprüfung für ein Sportstudium an, wofür er, der athletische Bergfex, erst Schwimmen lernen muss.

Zwei Jahre nach seinem Horror-Sturz kehrte Grugger an den Unfallort zurück. Mit Freundin Ingrid Rumpfhuber, die ihre Abfahrtskarriere ebenfalls verletzungsbedingt hatte beenden müssen, rutschte er Mausefalle und Steilhang ab. "Jetzt kann ich endlich a Hakerl drunter machen."

Im sonnenüberfluteten Zielraum blinzelte Mario Scheiber hinauf auf die Streif. Töchterl Joleen Sophie saß auf seinen Schultern. Befragt, ob ihn ein Rennstart noch reizen würde, sagte Jungvater Mario: "Nicht eine Sekunde." Grugger nickte zustimmend.

Ein Schweizer Streif-Opfer denkt anders. Daniel Albrecht, der im Winter 2009 nach seinem Crash auf dem Zielhang 20 Tage ohne Bewusstsein in der Innsbrucker Klinik gelegen war, strebt sein x-tes Comeback an. Obwohl er erst im November in Lake Louise bei seinem ersten Abfahrtsversuch mit luxiertem Knie auf der (kanadischen) Strecke blieb. Möglich, dass Albrecht, 29, auch die schwächelnde interne Schweizer Konkurrenz zum neuerlichen Neubeginn ermutigt.

Noch schlechter als die Schweizer sind die Deutschen im Speedbereich dran. Während Felix Neureuther im Slalom als heißester Goldtipp neben Marcel Hirscher gilt, kann’s passieren, dass Deutschland bei der WM in Schladming keinen einzigen Abfahrer stellt, falls nicht einer wider Erwarten doch noch unter die Top Ten rast am Samstag auf der Streif.

Der ÖSV indes verfügt über mehr Kandidaten als WM-Startplätze (vier), zumal auch Florian Scheiber ins Aufgebot drängt. Der Nordtiroler ist weder verwandt noch verschwägert mit dem Osttiroler Scheiber, aber spätestens seit gestern in aller Experten Munde. Als Streif-Debütant raste er auf Trainingsrang sechs. Scheiber II lässt Scheiber I vergessen. So schnell kann’s gehen unter den schnellsten Männern.

(KURIER) Erstellt am
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