Tagebuch: Zerstritten in die Zwischen-Saison

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Meinung Kolumnen Tagebuch
12/05/2011

Tagebuch: Zerstritten in die Zwischen-Saison

Elisabeth Görgel und Bode Miller sind zwei polarisierende Sportler, die ihre Meinungen öffentlich kundtun.

von Wolfgang Winheim

Im Gegensatz zum ersten Riesenslalom am Samstag wird Lizz Görgl die Wahl zu Österreichs Sportlerin des Jahres am 9. November sicher gewinnen. Die Doppel-Weltmeisterin gilt als unbequem. Mut ist ihr auch außerhalb der Piste nicht abzusprechen. In Garmisch hatte sie noch am Vorabend ihres WM-Sieges, als Konkurrentinnen aus Gründen der Konzentration schon unansprechbar gewesen waren, bei der Eröffnungszeremonie mit ihrem WM-Song die Sympathien der deutschen Veranstalter erobert. Görgls Aussagen in Sölden bei der Pressekonferenz ihres Ausrüsters Head werden von ihren Markenkollegen indes als Misston empfunden. Sogar Weltcup-Titelverteidigerin Maria Höfl-Riesch verzog ihr hübsches Gesicht, als Görgl vor 200 Ohrenzeugen ans Mikrofon trat und verkündete, dass sie die FIS-Materialreform (ab 2012 längere und schmälere Skier) befürworte. Und das, obwohl unmittelbar zuvor ihr Brötchengeber und Head-Boss Johan Eliasch die Rückkehr zu längeren Skiern als fatalen Rückschritt angeprangert und Head-Pilot Bode Miller sogar mit Rücktritt gedroht hatte, sollte die FIS keinen Rückzieher machen.

Streithansel-Weltcup

Miller hält's für ausgeschlossen, dass schmälere Skier das Verletzungsrisiko minimieren. Ja er unterstellt der FIS und dem ÖSV gar, mit der Firma Atomic zu packeln, um den Höhenflug von Head zu stoppen. Mitten in diesem (für den Konsumenten schwer durchschaubaren) Materialkonflikt, der den Weltcup den ganzen Zwischen-Winter zu dominieren droht, geht ein neuer Passus im Regelwerk fast völlig unter. Noch dazu einer, der im Gegensatz zur Skireform schon ab dieser Saison gilt. Pisten, so heißt es im FIS-Regelbuch, können vor Rennen künftig im ursprünglichen Zustand gelassen werden. Also nicht mehr von oben bis unten plattgewalzt, sondern naturbelassen wie zu Franz Klammers Zeiten. Da werden naturgemäß erst recht die Fetzen fliegen im Streithansel-Weltcup.

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