über Super-Bretter
02/05/2015

Wie aus Konkursbrett’ln Gold-Skier wurden

von Wolfgang Winheim

Die Material-Abhängigkeit im Skirennlauf ist mittlerweile fast ähnlich groß wie die in der Formel 1.

Wolfgang Winheim | über Super-Bretter

Als Herbert Prohaska noch Fußball-Teamchef und Beppo Mauhart dessen Vorgesetzter war, ärgerte sich Letzterer in seinem damaligen Hauptjob als Generaldirektor der staatlichen Tabakregie einmal ungleich mehr als über Kicker. Das war im Winter 1995/’96, als der damalige Finanzminister Andreas Staribacher kurz vor seinem Rücktritt noch den im Besitz der Austria Tabak befindlichen, schwer angeschlagenen Sportartikelkonzern HTM (Head-Tyrolia- Mares) loswerden wollte. Worauf der schwedische Investor Johan Eliasch zugriff.

Fußball-Präsident Mauhart interpretierte den Verkauf "zum Schleuderpreis" ( O-Ton Mauhart) noch Jahre später als Eigentor für den Staat. Zumal Mauhart schon ein Sanierungskonzept für das defizitäre Skiunternehmen zu haben glaubte, während der "Käufer" sogar noch mit einem Zuschuss von 1,19 Milliarden Schilling (rund 86 Millionen Euro) zwecks Head-Sanierung reich belohnt wurde.

Das österreichische Tabak-Monopol gibt es längst nicht mehr. Mauhart ist längst in Pension, die seinerzeitige Kritik der EU-Kommission ("kaufmännisch ungeschickt") längst vergessen.

Warum dann diese Wirtschaftsg’schicht aus dem vergangenen Jahrtausend auf einer Sportseite aufgewärmt wird? Weil Head-Skier soeben Anna Fenninger zum WM-Titel trugen. Und weil die einstigen Konkursbrett’ln immer häufiger – zumindest den Sportlern – viele Euros garantieren.

Ob Hermann Maier, Bode Miller, Didier Cuche, Matthias Mayer, Ted Ligety, Aksel Lund Svindal, Kjetil Jansrud, Lindsey Vonn, Elisabeth Görgl, Maria Höfl-Riesch – sie alle fuhren oder fahren auf Head (ab).

Streng geheim

Wie viel Eliasch aus seiner Privatschatulle beisteuert, damit sich Head den mittlerweile teuersten alpinen Rennstall der Welt leisten kann, ist nicht zu erfahren. Schon gar nicht in deutscher Sprache, die der Besitzer des in Vorarlberg ansässigen Unternehmens ebenso vermeidet wie sein Lieblingspilot Bode Miller.

Tatsache ist, dass sich die Ernennung des ehemaligen WM-Silbernen Rainer Salzgeber (Riesenslalom 1993) zum Head-Rennchef als Goldgriff erwiesen hat.

Und Tatsache ist ferner, dass in dieser Saison bereits 14 Weltcupsiege auf Head-Skiern errungen worden sind.

Zwischen Slalomtoren ist Atomic (dank Mikaela Shiffrin und Marcel Hirscher) nach wie vor Branchen-Primus. Im Hochgeschwindigkeitsbereich aber sind Head-Latten ähnlich dominant wie es zu Hermann Maiers (wechselte erst nach seinem Motorradunfall die Marke) Stephan Eberharters und Michael Walchhofers aktiven Zeiten die (im finnischen Besitz befindlichen) Atomic-Skier gewesen waren. Und auch wenn’s der Sportfan, der lieber den Menschen gewürdigt wissen will, nicht so gern hören und lesen, geschweige denn glauben wird: Die Material-Abhängigkeit im Skirennlauf ist mittlerweile fast ähnlich groß wie die in der Formel 1.

Diese Feststellung aber soll Fenningers Erfolge nicht schmälern. Schließlich profitieren immer mehr ihrer Konkurrentinnen von derselben Firma. Anna F. siegt auch bei Chancengleichheit.

Die Salzburgerin fährt nicht nur Head-Skier. Die aktuelle Weltmeisterin und Olympiasiegerin fährt auch mit Köpfchen.

wolfgang.winheim@kurier.at

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