über die Fußball-Begeisterung in Indonesien
01/29/2017

Warum ein Alkoholsünder aufgestellt werden musste

von Wolfgang Winheim

Statt mit Red Bull Salzburg in Dubai trainiert der israelische Nationalstürmer Munas Dabbur mit der Zweiermannschaft des Dosenkonzerns (Liefering) in Malaga. Auf Salzburgs Visa-Ansuchen für Dabbur wurde seitens der Emirate nicht einmal reagiert. Bleibt die Frage, ob sich Araber solche Sturheiten auch leisten können, sollten sich die Israeli (mit dem dann 29 Jahre alten Dabbur) für die WM 2022 in Katar qualifizieren.

Aus neutraler Sicht ist die Bemerkung angebracht, dass die Schikanen auf Gegenseitigkeit beruhen. So berichten palästinensische Teamspieler schon dem Österreicher Alfred Riedl, als der ihr erster Teamchef war, wie sie vor der Ausreise aus Gaza zu Länderspielen immer wieder nächtelang festgehalten worden seien.

Mittlerweile ist die Lage in Nahost nicht besser geworden und Riedl etliche Länder weitergezogen. Doch wie schwer sich Sport zuweilen von Politik trennen lässt, hat der Weltenbummler aus Pottendorf am extremsten erst bei seiner siebenten Teamchef-Station erlebt. In Indonesien. Im mit 249,9 Millionen Einwohnern größten muslimischen Land der Welt. Wo Riedl die (von der FIFA gesperrt gewesene) Nationalelf vor einigen Wochen völlig unerwartet bis ins Finale des Suzuki-Cups brachte.

TV-Quotenrekorde purzelten. Die Begeisterung uferte aus, als sogar noch Favorit Thailand im ersten von zwei Finalspielen 2:1 besiegt wurde. Am Morgen danach erschien der Spieler Boaz Salossa völlig groggy vom exzessiven Feiern, mit Mundschutz und dunkler Brille zum Frühstück, um so seine schwere Alkoholisierung zu tarnen.

Boaz Salossa ist Christ. Doch zugleich der Kapitän von der Auswahl des muslimischen Riesenreichs. Riedl warf ihn, zumal nur drei Tage vom Retourspiel in Bangkok trennten, trotzdem sofort hinaus.

Nur Stunden später rief ihn Indonesiens Staatspräsident an. Und danach der Gouverneur von Papua Neuguinea. Beide baten Riedl händeringend, die Disziplinarmaßnahme gegenüber dem Papuaner zurückzunehmen und ihn im zweiten Endspiel aufzustellen. Andernfalls seien schwere Ausschreitungen bis hin zu einem Volksaufstand in Papua zu befürchten.

Dazu muss man wissen: Der Osten von Neuguinea ist seit 1975 unabhängig. Der Westteil der zweitgrößten Insel der Welt gehört seit 1963 zu Indonesien. Dort ebenfalls nach Unabhängigkeit drängende Papuaner hätten den Hinauswurf ihres Landsmanns Salossa als unverzeihliche Provokation interpretiert.

Riedl gab nach. Ließ den Alko-Mann spielen. "Er war beim 0:2 sogar einer unserer Besten."

Trotz der Niederlage bekam Riedl Kultstatus. Ein siebenköpfiges Kamerateam wollte nach Wien fliegen, weil TV-Werbung für Kaffee mit Riedl im ganzen Riesenland geplant war. Doch der Fußball dort ist nicht mehr sein Kaffee.

Riedl beendet sein Indonesien-Abenteuer.

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