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21.12.2011

Tagebuch: Von der Piste auf die Bühne

Die regionale Ski-Prominenz arbeitet in Flachau fleißig mit. Auch die kunstkundige Ski-Königin Petra Kronberger.

Der ehemalige Weltcup-Abfahrer und neue Salzburger Ski-Präsident Bartl Gensbichler, der heuer den Wahlkampf gegen Ex-Weltmeister Michael Walchhofer gewonnen hat, machte sich bei einem Interview für die Salzburger Nachrichten Feinde, als er den Unterschied zwischen Kultur- und Sportbudget des Landes Salzburg anprangerte.

56 Millionen : 7 Millionen.

Ohne Red Bull wären Salzburgs Fußballer vermutlich gar nicht mehr existent, geschweige denn unter den letzten 32 in der Europa League.

Und ohne den Idealismus von Ski-Funktionären und Rennläufer-Eltern hätte es Salzburg wohl nie zur Nummer 1 innerhalb der Ski-Nation Nummer 1 gebracht.

Anlässlich des Flachauer Slalom-Doppels brachte sich die regionale Ski-Prominenz mitarbeitend in die Top-Veranstaltung ein. Michaela Kirchgassers Vater Anton als Mitverantwortlicher der Bergbahnen, Hans Fischbacher, Papa der Super-G-Olympiasiegerin, als Chef der Beschneiungsanlage.

Hermann Maier tauchte entgegen seiner Ankündigung schon beim von der Salzburgerin Marlies Schild dominierten Damen-Slalom am Rand der nach ihm benannten Flachauer Rennstrecke auf. Er war vor seinem verspäteten Senkrechtstart, ignoriert vom ÖSV, im Salzburger Landescup noch gegen den Vater von Marcel Hirscher gefahren.

Wie Maier machen sich auch die weiblichen Salzburger Allzeitgrößen Annemarie Moser und Petra Kronberger ansonsten rar im Weltcup. Wie Maier aber wollten auch Österreichs Jahrhundertsportlerin und die Doppel-Olympiasiegerin Kronberger, die als erste Läuferin innerhalb einer Saison in allen fünf Disziplinen gesiegt hatte, nach Schild auch Hirscher vor Ort carven sehen.

Petra, 42, fällt inzwischen ins Kulturbudget. Und ehe Sportgegner ihre Aristokraten-Nase rümpfen, sei mitgeteilt: Die Ski-Königin a. D. hat nach ihrem frühen Karriereende die Matura nachgeholt. Hat erfolgreich Kunstgeschichte studiert. Hat als Frau Magistra Kulturführungen gemacht. Und sie hat sich als Chor-Sängerin am Salzburger Landestheater qualifiziert. Premiere am 11. 3. in Verdis "La Traviata".