Meinung | Kolumnen | Tagebuch
09.03.2012

Tagebuch: Petras Premiere

Petra Kronberger hängte die Skier mit 23 an den Nagel und feiert am Sonntag ihre Opernpremiere.

Marlies Schild kann am Samstag in der ewigen Bestenliste die Schweizer Ausnahmeathletin Vreni Schneider einholen. Nämlich zum 34. Mal einen Weltcup-Slalom gewinnen. 15-mal ist Schild das nach ihrem im Oktober 2008 am Söldener Gletscher erlittenen Unterschenkel-Trümmerbruch gelungen. Nach einer Verletzung, die ähnlich dramatisch gewesen war wie jene von Matthias Lanzinger . Nur hatte bei Schild anders als bei Lanzinger die Versorgungskette optimal funktioniert.

Während Schild, 30, heute in Åre ihren Rekordversuch unternimmt, freut sich eine 13 Jahre ältere Salzburger Allzeit-Skigröße auf ihre sonntägliche (Bühnen-)Premiere. Petra Kronberger bereichert den Chor des Salzburger Landestheaters bei Verdis „La Traviata“. Protektion? Mitnichten. Dem Herrn Kapellmeister, bei dem sie vorzusingen hatte, war ihr Name kein Begriff gewesen. Daher sei allen, die sich nur gelegentlich in den Sport verirren, erklärt.

Kronberger holte drei Mal den Gesamtweltcup. Die Doppel-Olympiasiegerin 1992 war die Erste, die in allen fünf Disziplinen gewann. Und sie war auch die Erste, die auf Millionen verzichtete, indem sie mitten in der Saison zurücktrat, ehe sie die Matura nachmachte und ein Kunststudium erfolgreich abschloss.

Die nie aufbrausend, nie mediengeil gewesene Petra, beendete ihre einzigartige Karriere mit 23. Im gleichen Alter, in dem Marcel Hirscher jetzt Österreichs jüngster Gesamtweltcupsieger werden könnte.