über einen großen Trainer
06/14/2015

Offene Geheimnisse zum Vatertag

von Wolfgang Winheim

Ja, Lobanowski wagte es einmal, die Nationalelf ausnahmslos aus Ukrainern zu bilden.

Wolfgang Winheim | über einen großen Trainer

Wayne Rooney verzierte seinen fünfjährigen Kai zum Gaudium der Fotografen mit (abwaschbaren) Tattoos von Lionel Messi und Cristiano Ronaldo, weil der Sohnemann des englischen Teamkapitäns die beiden gar so anhimmelt.

Idol Messi ließ seinen Thiago, 2, anlässlich Barcelonas Titelgewinnen aufs Spielfeld bringen. Unter Stars wurde es sympathische Sitte, nach Pokaltriumphen den Vaterstolz öffentlich zu zeigen. Bei Österreichs Nationalspielern dominiert diesbezüglich noch Zurückhaltung. ÖFB-Mediendirektor Wolfgang Gramann musste auf die anlässlich des Vatertages gewagte KURIER-Anfrage, wie viele Nationalspieler denn außer Robert Almer, Christian Fuchs und Marko Arnautovic Kinder haben, die Auskunft verweigern. Begründung: Das sei Privatsache.

Kein Geheimnis ist, dass bei vielen der kickenden Jung- oder Bald-Väter deren Papis die Väter des Erfolges sind. Ob Julian Baumgartlinger (Vater Leichtathletik-Trainer), Marcel Sabitzer (Vater Ex-Nationalspieler), Florian Klein (Vater Ex-Teammanager des LASK), Marc Janko (Vater Zwei-Meter-Hochspringer und Sportlehrer) oder Lukas Hinterseer (Vater Guido Top-Ten-Pilot im Weltcup-Super-G) – ihnen allen wurde von Kindheit an Spaß an der Bewegung vermittelt.

Die Genannten trugen noch Hose und Gilet in einem oder waren noch gar nicht auf der Welt, als Österreich zum letzten Mal in einem Qualifikationsbewerb auf ein sowjetisches Nationalteam traf. Und als sich – mit fast 26-jähriger Verspätung kann man’s verraten – Unglaubliches ereignete.

Teamchef Josef Hickersberger dachte zunächst an einen Stimmenimitator oder an eine Falle, als ihn zwei Tage vor dem Wiener Qualifikationsspiel UdSSR-Coach Waleri Lobanowski anrief. Man traf einander im Agenten-Stil. Saß in einem Auto bei Schönbrunn, als Lobanowski wissen ließ, dass ein X ein kluges Resultat wäre.

Mister X

Tatsächlich endete das Wiener Spiel am 6. 9. 1989 – ohne Hickersbergers Zutun – 0:0. Mister X alias Lobanowski fühlte sich danach so sehr zu Dank verpflichtet, dass er am letzten Spieltag, als seine Elf schon als Gruppensieger feststand, vor der Partie gegen die Türkei in der Kabine drohte: "Wer heute nicht mit vollem Einsatz kämpft, kommt nicht mit zur WM."

Die Sowjets siegten 2:0. Worauf auch Toni Polster und Co. zur WM ’90 fuhren. Sie hätten trotz des 3:0-Sieges gegen die DDR daheimbleiben müssen, wären die Türken gegen die UdSSR erfolgreich gewesen.

Das Spiel UdSSRTürkei fand auf der Krim statt. Beim ersten Gruppenspiel gegen Österreich hatte sich der Verband in Moskau für die ukrainische Metropole Kiew als Heimschauplatz entschieden. Auch das klingt aus heutiger Sicht undenkbar. Ja, Lobanowski wagte es einmal, die Nationalelf ausnahmslos aus Ukrainern zu bilden.

2003 erlitt Lobanowski auf der Trainerbank einen Schlaganfall. Zu seinem Begräbnis kamen 200.000 Menschen in Kiew. Keine andere UdSSR-Elf spielte je so attraktiv wie jene, die unter Lobanowski 1988 ins EM-Finale kam. Der Ukrainer war der Vater des russischen Fußball-Erfolgs.

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