Tagebuch: Nur auf der Alm, da gibt's koa Sünd

Wolfgang Winheim © Bild: Stephan Boroviczeny

Die Salzburgerin Eva Walkner wurde im Iran verhaftet, weil sie bei einem Tankstopp kein Kopftuch, sondern eine Skihaube trug.

Die Kopftuchträgerin beeindruckte mit ihrem attraktiven Aussehen genauso wie mit ihrer Ankündigung: "Frauen werden als Zuschauerinnen in unseren Stadien besonders willkommen sein." Die ganz in Schwarz gekleidete Mittdreißigerin stellte sich als Sportsprecherin von Katar vor. Das war im September 2011 in Doha. Drei Monate später vergab die FIFA an Katar die Fußball-WM 2022. Mehr als Bekenntnisse zum Frauensport sollen Petrol-Dollars die Stimmberechtigten zur Sensationsentscheidung animiert haben. Wie auch immer – FIFA-Präsidenten Joseph Blatter, 76, wird`s 2022 kaum noch tangieren, ob es Sinn macht, Hunderttausende Fans von der arabischen Juni-Sonne rösten zu lassen. Während der zweitkleinste moslemische Staat Katar (1,69 Millionen Einwohner) noch zehn Jahre Zeit hat, um sein Versprechen einzulösen, frequentieren im größten moslemischen Land (250 Millionen) jetzt schon viele Frauen indonesische Stadien. "Die Madln sind genauso fußballnarrisch wie Männer", behauptet Indonesiens Ex-Teamchef Alfred Riedl. Keiner außer sein Freund Josef Hickersberger ist so prädestiniert zu vergleichen wie er, arbeitete Riedl doch in sieben moslemischen Ländern. Hickersberger ist zumindest bis Juni noch Trainer bei Al Whada in Abu Dhabi. Frauen habe er im Stadion gesehen. "Nicht nur ausländische Spielerfrauen." Letztere fühlen sich in den Emiraten wohl.Anders sieht die Sportwelt im Iran aus. Riedl beobachtete, als er 1995/’96 oberster Sportchef des iranischen Fußballbundes war, vom Verbandshaus in Teheran aus, wie Speerwerferinnen bei 35 Grad mit Schleier, langer schwarzer Hose und dunklem Mantel zum kollektiven Wettschwitzen antraten.Inzwischen sind die Religionswächter nicht toleranter geworden. So wurde die Salzburger Profi -Freeriderin Eva Walkner während ihrer Iran-Tournee verhaftet und ins Kreuzverhör genommen, weil sie bei einem Tankstopp an der Zapfsäule kein Kopftuch, sondern eine Skihaube getragen hatte. Zuvor hatte Walkner noch gestaunt über das gute Ski-Niveau und die lockere Stimmung in einer Hütte. Die iranischen Ski-Ladys entledigten sich bei der Hütten-Gaudi prompt ihrer Kopftücher.Kleinlaut sei hinzugefügt, dass sich in den 1950er- und 60er-Jahren hierzulande niemand aufregte, als die meisten unserer Großmütter Kopftuch trugen.

Erstellt am 07.03.2012