über Putins Spiele
02/04/2014

Mehr Kehrseiten als Medaillen

Betreut von Österreichern, beschützt vom Militär – die US-Sportler nehmen bei den Olympischen Spielen eine Sonderrolle ein.

von Wolfgang Winheim

600.000 Euro wurden von russischer Seite geboten, um den Film nicht erscheinen zu lassen.

Wolfgang Winheim | über Putins Spiele

Welche Überraschungssieger eine olympische Wetterlotterie auch immer zulässt – der Gewinn einer Weltcup-Endwertung ist im Freiluftsport Ski sportlich höherwertig.

In den USA interessiert so ein Argument herzlich wenig.

Nicht nur wegen des Super Bowl (Seattle gewann erstmals das Football-Finale) verkamen die jüngsten Siege von Mikaela Shiffrin und Ted Ligety zur medialen Randnotiz. Erst Olympia-Gold macht Amerikaner in Amerika bekannt.

Deshalb hatte Bode Miller eine einjährige Auszeit genommen und danach mit 36 besessen trainiert (und 14 Kilo abgespeckt) wie noch nie.

Deshalb hat Lindsey Vonn nach Kreuzbandrissen so früh und verbissen (und leider unbelohnt) für ein Comeback trainiert.

Deshalb rücken die Amerikaner – so wie die Österreicher auch – zum ersten olympischen Abfahrtstraining in Rosa Chutor am Donnerstag gleich mit sieben Mann an, obwohl nur vier von ihnen starten dürfen;

und deshalb sind auch die amerikanischen Sicherheitsorgane, weil Olympische Spiele so einen hohen Stellenwert haben, so besonders angespannt.

Im Schwarzen Meer haben zwei US-Kriegsschiffe außerhalb russischer Hoheitsgewässer Stellung bezogen. Und auf einem Rollfeld bei Sotschi sind Sondermaschinen geparkt – rund um die Uhr einsatzbereit, um bedrohte US-Athleten auszufliegen.

Gestern reisten die US-Abfahrtsläufer mit Ausnahme von Miller (er kommt mit Gemahlin Morgan erst heute) an. Begleitet und gecoacht vom ehemaligen Hermann-Maier-Trainer Andi Evers aus Salzburg. Und fitgetrimmt von Stephan Eberharters ehemaligem Konditionstrainer Toni Beretzki aus dem Südburgenland.

Beretzki soll für den Tiroler US-Sportdirektor Patrick Riml dolmetschen. Beretzki beherrscht Russisch, seit er fast vier Jahre lang als Konditionstrainer von Spartak Moskaus Fußballprofis (unter ihnen Martin Stranzl) durchhielt und in Spartaks riesengroßem Trainingsgelände nordöstlich von Moskau ein zehn Quadratmeter kleines Zimmer bewohnte.

In Sotschis Olympia-Quartieren stehen durchschnittlich 15 Quadratmeter für jeweils zwei Athleten zur Verfügung. Worüber sich die Skifahrer nicht aufpudeln, zumal es sich großteils um pflegeleichte Typen handelt. Nur stellt der Deutsche Felix Neureuther die berechtigte Frage, warum denn nicht auch einmal IOC-Bonzen ähnlich spartanisch wohnen. Schlaflose Nächte in ihren Protz-Quartieren seien den hohen olympischen Herren vergönnt, zeigt doch die TV-Dokumentation „Putins Spiele“ gnadenlos auf, was sie mit ihrem Ja zu Sotschi verbrochen hatten.

Enteignung, Korruption und Umweltverbrechen prägten den vorolympischen Alltag. 600.000 Euro wurden von russischer Seite geboten, um den Film nicht erscheinen zu lassen. Nur war man ausnahmsweise an Unbestechliche geraten.

Denen gebührt die erste – symbolische – Goldene.

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