über Matthias Mayer
02/10/2014

Tagebuch: Habt acht!

Matthias Mayer, jüngster Weltklassespeedpilot holte Gold. Er verdankt es nicht dem Zufall, sondern den Genen.

von Wolfgang Winheim

Wie einst Helmut gilt Matthias als Instinkt-Skifahrer.

Wolfgang Winheim | über Matthias Mayer

Mensch Mayer. Der Herr Verteidigungs- (und Sport-)-minister nimmt Haltung an vor einem kleinen Korporal.

Matthias Mayer, 23, entschied den Hundertstelsekunden-Krimi auf der schwierigen Olympia-Piste in Anwesenheit von Boss Gerald Klug. Dabei hatte Zeitsoldat Mayer vor eineinhalb Jahren wegen einer rätselhaften Lebensmittelvergiftung (13 Kilo Gewichtsverlust) sportlich fast schon absalutiert.

Wie vor ihm die Olympiasieger Jean-Luc Crétier (1998), Tommy Moe (1994) und Leonhard Stock (1980) raste Mayer just beim wichtigsten alpinen Ereignis erstmals auf Platz 1. Aber er wird, zumal der Kärntner ein zu guter Skifahrer ist, bald auch im Weltcup gewinnen. So wie das einst dem Tiroler Stock gelungen ist.

Stock, der sich gestern unter den nur 7000 erlaubten Augenzeugen in Rosa Chutor über Mayer freute wie ein Schneekönig, hatte sich bei Olympia schon einmal wegen Mayer schrecklich empört. Das war 1988 in Kanada, als (der heutige ÖSV-Obersportboss) Hans Pum entgegen aller Abmachungen Stocks Freund und vermeintlichen Super-G-Fixstarter Gerhard Pfaffenbichler in eine interne Qualifikation gegen Helmut Mayer jagte.

Der Schreiber dieser Zeilen musste in Nakiska Ohrenzeuge sein, wie der sonst so gutmütige Stock vom Sessellift herab Trainer Pum wüst beschimpfte. Mayer schwieg, fuhr und rechtfertigte den Wortbruch Pums, indem er zuerst gegen Pfaffenbichler und im Rennen dann auch noch Edelmetall gewann.

Der Silber-Mayer ist der Papa vom Gold-Mayer und zweifellos ein Vater des Erfolges. „Aber ich könnte mir nicht vorstellen, dass es funktioniert wie beim Marcel Hirscher, wenn der Vater ständig dabei ist und alles mit mir abspricht“, gestand Matthias kürzlich in Kitzbühel. „Dazu sind wir skitechnisch zu unterschiedlicher Meinung.“

Parallelen zwischen Vater (der auch gestern lieber daheim als vor Ort mitzitterte) und Sohn gibt es trotzdem. Wie einst Helmut gilt Matthias als Instinkt-Skifahrer. Als einer, der sich rasch eine Strecke merkt, der Schlüsselstellen „weniger lang besichtigt als andere“ und auch weniger Trainingsfahrten benötigt. Das erklärt auch, weshalb in Wahrheit der Super-G (vor dem kein Training erlaubt ist) die Super-Disziplin des Abfahrtsolympiasiegers ist.

Der Super-G findet am kommenden Sonntag statt. Und Ski-Österreich kann mit einer Fortsetzung der Mayer-Mania spekulieren, sofern der 23-jährige Zwei-Stern-Soldat den Slalom zwischen Mikrofonen und Schulterklopfern ohne Substanzverlust übersteht.

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