Tagebuch: Diesseits von Afrika

Wolfgang Winheim © Bild: Stephan Boroviczeny

Warum Kurze-Hosen-Auftritte auf deutschen Trainingsplätzen plötzlich (un)wichtig wurden.

Massaker im Stadion. Kurz vor Eintreffen dieser Schreckensmeldung kürte Sky den ägyptischen Fußball-Legionär Mohamed Zidan noch zum härtesten Mann der Woche. Grund: Der neue Klubkollege von Andreas Ivanschitz und Julian Baumgartlinger trainierte trotz minus sechs Grad in Mainz ohne Haube und lange Hose. Auf den Plätzen 2 und 3 dieser deutschen Verkühle-dich-täglich-Wertung landeten – wegen ihrer südlichen Herkunft – ebenso unerwartet: Schalkes spanischer Torjäger Raúl und Bayern-Verteidiger Jérôme Boateng , die im Training ebenfalls mit kurzer Hose einliefen.

Zur Erstellung dieser Rangliste hatte Sky Kamerateams zu 18 Klubs entsandt und danach Bastian Schweinsteiger zum kälteempfindlichsten, weil am meisten vermummten Spieler der Liga erklärt. Ausgerechnet den drahtigen Bayern, der einige Kilometer neben der Tiroler Grenze aufgewachsen und im Ski-Schülerkader schärfster Rivale des heutigen Weltklasse-Slalomläufers Felix Neureuther gewesen war.

Zur Ehre der Top-Skiprofis: Gejammert wird von ihnen über die Kälte nie. So werden sie sich auch heute in Chamonix bei (wegen des Fahrtwindes) gefühlten 30 Grad minus ohne Murren ins Weltcup-Geschehen stürzen.

Die Piste am Fuß des Mont Blanc gilt nicht als die technisch anspruchsvollste. Und trotzdem als besonders gefährlich. Allein beim letztjährigen Rennen gab es dort mehr Verletzte als in der ganzen heurigen Saison. Siehe Mario Scheiber , siehe Georg Streitberger , siehe den Kanadier Manuel Osborne-Paradis ...

Von einem Gemetzel war damals in den Medien die Rede. Die aktuellen Ereignisse lehren uns, mit solchen Ausdrücken auf Sportseiten sorgsamer umzugehen.

Erstellt am 02.02.2012