über die "Sport"-Stadt Wien
11/17/2013

Die Millionenshow

von Wolfgang Winheim

Gecarvt werden soll nach Moskauer Vorbild auf einer Riesenrampe unterhalb der Gloriette

Wolfgang Winheim | über die "Sport"-Stadt Wien

Welches Sportereignis werden die Wiener in der Bundeshauptstadt eher erleben:

a) ein Fußball-Champions-League-Finale?

b) eine Leichtathletik-Staatsmeisterschaft?

c) eine Slalom-Show mit Marcel Hirscher um Weltcup-Punkte?

Die Thematik eignet sich als Fangfrage für Armin Assingers Millionenshow. Zumal ...

a) das Ernst-Happel-Stadion im internationalen Vergleich so unmodern ist, dass sich ÖFB und Wien – im Gegensatz zu 32 Städten – nicht einmal für Gruppenspiele bei der grenzüberschreitenden EM 2020 zu bewerben wagten.

b) die neue mit Gemeindegeld errichtete Leichtathletik-Anlage auf dem Cricket-Platz im Prater nicht den Meisterschaftsnormen entspricht und die Bahn im gegenüber liegenden Happel-Stadion seit Musikkonzerten kaputt ist.

c) Wien im provisorischen Rennkalender der FIS (= Weltskiverband) bereits als alpiner Weltcup-Schauplatz für 2015 aufscheint.

Gecarvt werden soll nach Moskauer Vorbild auf einer Riesenrampe unterhalb der Gloriette, um Wien via TV zu „unbezahlbarer Tourismuswerbung“ zu verhelfen, wie es der Tiroler Ski-Zampano Peter Schröcksnadel formuliert.

Schon einmal gastierte der Weltcup in Wien. Damals startete der legendäre Ingemar Stenmark allerdings auf der durchaus für Publikumsskilauf, nicht aber für viele Zuschauer geeigneten Hohe-Wand-Wiese in Wien 14. Geparkt werden musste in Auhof und beim Hanappi-Stadion. Per Bus wurden die Ski-Fans zur Piste gebracht.

Das war im Jänner 1986. Im selben Jahr übrigens, in dem draußen in Hütteldorf die Spielfeld-Not für den Rapid-Nachwuchs dramatisch zu werden begann und ein tägliches, im Ausland zu dieser Zeit schon längst übliches Jugend-Training kaum möglich war.

Manchmal kam’s einer Mutprobe gegenüber der Stadionverwaltung gleich, wenn jugendliche Freistoßspezialisten wie Zoran Barisic (jetzt Rapids Cheftrainer) und Herbert Gager (jetzt ein von David Alaba besonders geschätzter Austria-Nachwuchscoach) Überstunden machen wollten.

Und der Kunstrasenplatz (= Teppich über Beton) erwies sich später als dermaßen gelenkemordend, dass zig Rapid-Talente bis heute an den Spätfolgen leiden. Warnungen von Medizinalrat Robert Lugscheider blieben ebenso wirkungslos wie die Behördengänge des damaligen Rapid-Jugendleiters Dieter Hatz. Der Vater des Ex-Teamverteidigers Michael Hatz plante auf dem Riesenareal in Auhof ein kleines Trainingsfeld. Per Kleinbus wären die grünen Buam zurück zum Duschen ins Hanappi-Stadion gebracht worden. Die Idee des Diplom-Ingenieurs wurde trotzdem abgeschmettert – aus Umweltschutzgründen.

Inzwischen sind in Wien-Auhof längst Supermärkte entstanden. Und inzwischen gehen dort, wo junge Amateur-Kicker einst unerwünscht waren, professionelle Damen dem ältesten G’schäft der Welt nach.

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