Tagebuch: Dicke Luft in dünner Luft

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Meinung Kolumnen Tagebuch
12/05/2011

Tagebuch: Dicke Luft in dünner Luft

Auch ohne österreichischen Sieg durften sich Österreicher in Sölden wie (moralische) Sieger fühlen.

von Wolfgang Winheim

Erster beim ersten Rennen! Das ist seit 2005, seit Hermann Maier, keinem Österreicher mehr gelungen. Der Rennrentner verfolgte daheim in Flachau im TV, wie das Warten auf einen einheimischen Gletscherkönig um ein weiteres Jahr prolongiert wurde. Trotzdem durften sich auch Österreicher wie (moralische) Sieger fühlen: Benjamin Raich, weil beim ersten Start nach seiner Knieverletzung weder das operierte Kreuzband noch der Zeit-Rückstand auf die Besten schmerzte.Marcel Hirscher, weil auch das Comeback des zweiten ÖSV-Rekonvaleszenten trotz Darmgrippe keineswegs in die Hos'n ging. Und Rennleiter Rainer Gstrein (hauptamtlich ÖSV-Trainer), weil unter dessen Regie beim 15. Söldener Gletscher-Derby erneut eine perfekte Piste ins ewige Eis gezaubert wurde. Auf andere Ötztaler hat ÖSV-Präsident Peter Schröcksnadel trotz Shakehands mit Söldens Ober-Zampano und Fünf-Sterne-Hotelier Jack Falkner vor der ORF -Kamera nach wie vor eine Mordswut. Dass der Söldener Patrick Riml, nachdem er dem amerikanischen Ski-Team zu permanentem Heimvorteil im Ötztal verholfen hat, dank der Siege von Lindsey Vonn und Ted Ligety ein optimales Debüt als US-Alpindirektor feierte, wird Schröcksnadel als Sportsmann noch zähneknirschend akzeptieren. Dass aber ein Söldener Tourismus-Direktor den Sponsor-Deal mit dem US-Team damit begründete, Vonn und Julia Mancuso hätten mehr Charisma als die ÖSV-Madln, veranlasste den ÖSV-Napoleon im ersten Zorn zur Drohung, er werde die Gletscher-Show an einen anderen Schauplatz verlegen. Laut Statuten freilich obliegt der FIS beim Saisonstart die Letztentscheidung. Die nächste Gletschershow wird somit auch 2012 in Sölden über die hochalpine Skibühne gehen. Die nächste Ski-Weltcup-Veranstaltung auf österreichischem Boden findet schon am 16. Dezember - kaum wer wird's erraten - in Wien-Penzing statt. Im Form eines Parallelrennens zwei gegen zwei. Weil's auf der Hohen-Wand-Wiese beim sogenannten Syncro-Weltcup um ungleich weniger Geld (2000 Euro) geht, wird auch ungleich weniger gestritten werden.

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