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12.01.2012

Tagebuch: Blaues Blut

Bei den Jugendspielen werden auch einige adelige Junggesellen erwartet.

Der Sportdirektor des ÖSV, Hans Pum, wird am Samstag nicht wissen, wo er sich hinbegeben soll: Ins Patschenkino, in dem ab 12.30 Uhr die längste Weltcup-Abfahrt mit Lauberhorn-Titelverteidiger Klaus Kröll zu sehen ist?Oder auf den Innsbrucker Patscherkofel, wo – ebenfalls um 12.30 Uhr – der Super-G als erster Alpinbewerb der Olympischen Jugend-Winterspiele gestartet wird.Aus Sicherheitsgründen bleibt den 15- bis 18-Jährigen ein Abfahrtslauf erspart am Präsidenten-Kofel. So wird der Hausberg der Innsbrucker gern genannt, seit ihn ÖSV-Boss und Senioren-Weltmeister Peter Schröcksnadel gekauft und sportgerecht "umgebaut" hat.An einstige Olympia-Zeiten erinnern nur die alten Seilbahn-Gondeln. In sie hatte sich 1964 Egon Zimmermann vor seiner Goldfahrt zwängen müssen. 1976 wollte man Franz Klammer das Gedränge ersparen. Aber das IOC untersagte Klammer mit dem Hinweis auf Chancengleichheit den Hubschrauber-Transfer zum Start. Klammer wurde trotzdem Olympiasieger. Und hob auch nicht ab, als ihn Journalisten danach zum "Kaiser Franz" adelten. Titel wurden, wie dem vergilbten Olympia-KURIER von 1976 zu entnehmen ist, zu diesen Zeiten recht salopp vergeben: Weltmeister der Ausreden – als solchen bezeichnete Egon Zimmermann in seiner damaligen KURIER-Gastkolumne den verschnupften olympischen Torlauf-Verlierer Hansi Hinterseer.Der beste Bremser Österreichs – Ex-Bobfahrer Andreas Schwab – ist heute Chef der nationalen Anti-Doping-Kommission.Charmantester Kuscheltyp – diese Beschreibung fiel Society-Reportern 1976 zur Olympia-Chefhostess Sylvia Sommerlath ein. Wenige Monate nach geheimen Wipptaler Hüttenabenden mit Ehrengast Carl Gustaf wurde aus dem sprachgewandten Fräulein aus Heidelberg Schwedens Königin. 36 Jahre später werden bei den Jugendspielen – abgesehen vom bereits vergebenen Fürsten Albert von Monaco – wieder einige blaublütige Junggesellen erwartet.

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