über Doping-Sünder
08/27/2015

Starke Worte von starken Männern

von Wolfgang Winheim

Laut Harting sollten alle Ex-Sünder bei ihren Starts durch rote Mascherln am Trikot gebrandmarkt werden

Wolfgang Winheim | über Doping-Sünder

Ginge es nach dem deutschen Leichtathletik-Hünen Robert Harting, dann würde beim 200-Meter-WM-Finale (14.55 Uhr MESZ/ORF Sport+, Eurosport) Mattscheibe herrschen. Denn Harting fordert vom Fernsehen das Ignorieren aller Finali, bei denen die Hälfte des Starterfeldes aus überführten Dopern besteht. Mehr noch: Laut Harting sollten alle Ex-Sünder bei ihren Starts durch rote Mascherln am Trikot gebrandmarkt werden.

Harting ist nicht irgendjemand. Er ist deutscher Sportler des Jahres 2012, 2013, 2014 und fehlt nur verletzungsbedingt in Peking. Er ist Olympiasieger im Diskuswerfen. In jenem Bewerb, in dem Österreich mit Lukas Weißhaidinger und Gerhard Mayer sogar zwei WM-Starter stellt. Dank Heimvorteil und günstigem Wind warfen sie die Scheibe heuer in den Weltklassebereich von 67 Metern. "Ohne Wind schaffen sie nur 63 Meter, obwohl auch das eine tolle Weite ist", prophezeit Ernst Soudek.

Auch Soudek ist nicht irgendjemand. Sein Wiener Rekord im Diskuswerfen (62,50 m), den er am 1. Mai 1972 auf US-Boden erzielte, hält immer noch. Im Oktober wird der Anglistik-Professor nach Michigan fliegen, wo er in der Hall of Fame der Leichtathletik einen Ehrenplatz bekommt.

Soudek hält Hartings Vorschlag, aufgeblattelte Dopingsünder mit einem roten Bandl herumrennen zu lassen, für lächerlich. Zwei bis vier Jahre Verbannung vom Sport, der ihr Leben bedeutet, seien Strafe genug. "Wofür ich aber eintrete, ist eine Annullierung aller Weltrekorde, die vor 2000 erzielt wurden. Oder man macht es so wie die US-Fachzeitschrift Track and Field News", sagt Soudek. Das führende LA-Magazin listet die Weltrekorde in zwei Kategorien auf und unterscheidet zwischen jenen Rekorden, die vor 2000 aufgestellt worden sind, und jenen, die nach Einführung strengerer Kontrollen erzielt wurden.

Ungeachtet dessen werden auch künftig alle Ausnahmeleistungen à la Usain Bolt von Zweifeln begleitet werden. Nur bei Olympia 2022 in Peking bleiben der Leichtathletik Gerüchte erspart. Weil Peking dann Schauplatz der Winterspiele ist.

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