Rekorde beim Fernseh-Sport

'I hab’ gut trainiert'

Wolfgang Winheim | über Skierfolge zum Jahresende

Salzburger Festspiele zum Jahresausklang: Nach Anna Fenningers Erfolg auf dem Semmering verblüffte Hannes Reichelt beim Abfahrtskrimi in Bormio frei nach dem Motto seines Sponsors: „Ö3 dabei.“ Wieder dabei!

Dank Radio-Werber Reichelt, um den es in Anbetracht seines bisherigen Abschneidens in der Abfahrt (18., 24 ., 38.) still geworden war, wurde im letzten Rennen des Jahres das Warten auf den ersten österreichischen Speed-Sieg beendet. Doch welch ein Unterschied zu den Damen:

Während Fenningers Riesenvorsprung im Riesenslalom zu Vergleichen mit der legendären Annemarie Moser animierte, fiel Statistikern zum Foto-Finish von Bormio nur der WM-Super-G ’99 in Beaver Creek ein.

Damals teilten sich Hermann Maier und der zeitgleiche Norweger Lasse Kjus die WM-Goldene, während es für Hans Knauß wegen einer Hundertstelsekunde nur zu Bronze reichte. Gestern verschlug’s Knauß als ORF-Co-Kommentator in Bormio die Red’, ...

... als Reichelt die Bestzeit des Südtirolers Dominik Paris egalisierte;

... als Aksel Lund Svindal eine Hundertstel „langsamer“ fuhr;

... und als Trainingsdominator Klaus Kröll wegen zweier Hundertstel nur Vierter wurde.

Knauß: „So a geiles Rennen hab i noch nie erlebt.“

Skihistorisches anderer Art wurde auf dem Semmering angepeilt. Nachdem Michaela Kirchgasser im Riesenslalom eine federleichte, 25.000 teure Euro Mini-Helmkamera getestet hatte, die bei der WM alle Starterinnen tragen werden, übertrug der ORF den gestrigen Damen-Nachtslalom mit 18 Kameras. Das ist Torlauf-Rekord, dem das Regie-Duo Fritz Melchert/Michael Kögler einen WM-Rekord folgen lässt: Nicht weniger als 46 Kameras sollen die Schladminger Abfahrt im Februar zu einem einzigartigen Patschenkino-Erlebnis werden lassen. Zum Vergleich:

Als Franz Klammer 1973 in Schladming gewann, wurde sein erster Weltcupsieg von 14 Kameras dokumentiert. Und in Bormio, wo die ÖSV-Piloten Kröll, Reichelt und Romed Baumann gestern endlich wieder so richtig im Bilde waren, begnügten sich die Italiener mit 20 Kameras. Um für uns Laien die Gründe für die Plätze 1, 2, 3, 4 herauszufiltern, hätten aber auch 50 Kameras nicht genügt.

Wenn es sich um eine leichte, viele Gleitpassagen aufweisenden Abfahrt gehandelt hätte, wären die Mini- Zeitdifferenzen noch irgendwie logisch. Doch die Piste Stelvio glich auf den meisten ihrer 3270 Meter einer Steilwandorgie, die die Rennfahrer zu den unterschiedlichsten Stilkorrekturen zwang.

Selbst Reichelt geriet in Erklärungsnotstand. Und befragt zu seiner Leistungssteigerung legte der Ö3-Hannes eine alte Platte auf: „I hab’ gut trainiert.“

Erstellt am 29.12.2012