über die Kritik an FIS
03/17/2013

Kniefall

von Wolfgang Winheim

'Wie sollen die denn oben wissen, ob unten der Wind bläst oder Nebel ist?'

Wolfgang Winheim | über die Kritik an FIS

Gleichgültig, ob Marcel Hirscher seiner Favoritenrolle beim Slalom am Sonntag gerecht wird oder nicht – der Salzburger hat schon vor dem letzten Rennen 229 Punkte Vorsprung. Somit kann seinen Gesamtsieg niemand schmälern. Das Argument, wonach ihm eine erfolgreiche Titelverteidigung nur gelang, weil Aksel Lund Svindal durch Absage bzw. Abbruch der finalen Speedbewerbe die Chance auf 200 Punkte (ein Sieg wird mit 100 honoriert) geraubt wurden, ist seit Samstag gegenstandslos.

Trotz Feiern und Hymnenspielen aber sind Misstöne unüberhörbar.

In norwegische TV-Mikrofonen sagte Svindal nach dem Super-G-Desaster, er könne die FIS-Politik längst nicht mehr verstehen.

In Chur musste Super-G-Opfer Klaus Kröll einen Tag nach der Oberarm-OP am Samstag auch am Jochbein operiert werden.

Und in Lenzerheide meldete sich das ehemalige Slalom-Ass Kilian Albrecht ein letztes Mal als (in Bälde entsorgter) internationaler Athletensprecher zu Wort.

Es sei stets vereinbart gewesen, die Läufer gleich nach Streckenbesichtigung zu befragen. Aber niemals erst dann, wenn – wie in Lenzerheide beim Super-G passiert – die Fahrer schon im Starthaus stehen. „Wie sollen die denn oben wissen, ob unten der Wind bläst oder Nebel ist?“

Der unbequeme Albrecht hatte (wie Ted Ligety) schon heftig die Materialreform kritisiert. Welche Experten, ob Sportwissenschaftler oder betroffener Läufer, recht haben, soll an dieser Stelle nicht beurteilt werden. Es fällt nur auf,

dass die Zahl der Opfer (Lindsey Vonn, Tanja Poutiainen, Kjetil Jansrud, Andre Jerman, Kröll und etliche junge Läufer) keineswegs geringer ist als im letzten Winter;

und dass dieselbe FIS, die im Sinne der Sicherheit die Industrie zum sündteuren Umrüsten (schmälere, längere Ski) zwang, bei Kurssetzung und Jury-Beschlüssen sehr kühn agieren lässt.

Ein Widerspruch, der auch Papa Ferdinand Hirscher missfällt. Seinem Sohn war übrigens im Teenageralter prophezeit worden, dass er mit 19 kaputte Gelenke haben werde wegen seines wilden Fahrstils. Jetzt, als 24-Jähriger, ist Marcel einer der wenigen Rennläufer mit gesunden Knien. Und die Ski-Welt kniet vor ihm.

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