über Luis Suarez
06/26/2014

Gerechte Sperre, mieser Geschmack

von Wolfgang Winheim

Señor Dracula wird allein wegen seiner Beißattacke in die Fußball-Geschichte eingehen

Wolfgang Winheim | über Luis Suarez

Als der KURIER einmal ÖFB-Teamspieler Zlatko Junuzovic würdigte, weil der pro Ländermatch bis zu 13 Kilometer zurücklegt, folgten spöttische Mails. Österreicher müssen eben mehr als Ball und Gegner laufen, weil sie zu wenig kicken können. Nur: Bei der WM liegen die fürs Achtelfinale Qualifizierten auch in der Kilometer-Wertung vorn, während sich am Beispiel Ausgeschiedener beweisen lässt:

Wer am wenigstens rennt, für den läuft’s auch schlecht.

Mit Elfenbeinküste (95,8 km pro Team und Match), Kamerun, Honduras und Ecuador blieben nur vier Mannschaften unter dem 100-Kilometer-Schnitt. Fluchtartig verlassen sie Brasilien, während der FIFA-Computer unverdrossen Statistiken ausspuckt.

So sei der Ball bisher im Schnitt nur 55,2 Minuten im Spiel gewesen, was einem deutlichen Rückgang gegenüber der WM 2010 in Südafrika (69,8) entspricht.

Und so haben Teams, die mehr im Ballbesitz waren, nur 24 der ersten 44 WM-Spiele auch gewinnen können.

Letztlich entscheiden allein die Tore und Ausnahmekönner wie Lionel Messi und Neymar, die bisher je vier Mal trafen.

Auch Uruguays Bad Boy Luis Suárez hat zwei spektakuläre WM-Treffer erzielt. Aber an die wird sich kein Mensch erinnern. Señor Dracula wird allein wegen seiner Beißattacke in die Fußball-Geschichte eingehen. Die FIFA zeigt Zähne, sperrt Suárez für neun Spiele. Noch schneller als die Fußball-Juristen haben kommerzielle Vermarkter reagiert. Eine Fast-Food-Kette lud Suárez ein, für gutes Honorar medienwirksam in einen Burger zu beißen. Und der Erzeuger eines Müsli-Riegels behauptet, diesen zu essen sei befriedigender als einen Italiener.

Buon appetito. Geschmacklosigkeit endet nicht am Fußballplatz.

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