Wolfgang Winheim

© Stephan Boroviczeny

Meinung Kolumnen Tagebuch
09/12/2012

Deutschland – Österreich 4:8

Tagebuch: Die einzige Statistik, in der Österreich weit vor Deutschland liegt – der Teamchef-Verschleiß.

von Wolfgang Winheim

Deutschlands populärste Fußball-Persönlichkeit zog anlässlich des 67. Geburtstages die Familie einem Wien-Besuch vor. Aber auch alle ehemaligen österreichischen Teamchefs, bei denen im Gegensatz zu Franz Beckenbauer keine Feiern vorgesehen waren, verzichteten auf ein Live-Erlebnis im Prater.Marcel Kollers Vorgänger Dietmar Constantini blieb daheim in Tirol, zumal für ihn erst nach den Ferien die Ferien begonnen haben. Constantini leitete Non-Stop an acht Orten seine Kinder-Camps, die einst auch nunmehrige Nationalspieler wie Julian Baumgartlinger und Aleksandar Dragovic besucht hatten. Das war zu Zeiten, als Constantini noch der Co von Teamchef Otto Baric gewesen war, der mittlerweile als agiler Endsiebziger auf seiner kroatischen Insel mehr Dauer-Urlaub macht, als ihm manchmal lieb ist. Kollers Vorvorgänger Karl Brückner lebt zurückgezogen in Olmütz. Vom inzwischen 73-jährigen Tschechen, unter dessen Regie Österreich im August 2008 mit einem 3:1 gegen Frankreich sensationell in die letzte WM-Qualifikation gestartet war, haben ÖFB-Generaldirektor Alfred Ludwig und seine Untergebenen seit Brückners Abgang (Februar 2009) nie mehr gehört. Sehr innig ist freilich auch der Kontakt zwischen dem Fußball-Bund und Hans Krankl nicht, obwohl nur 10 Kilometer zwischen dessen Hietzinger Villa und dem ÖFB-Hauptquartier liegen. Johann K., der während seiner mäßig erfolgreichen Teamchef-Ära (2002 bis September 2005) über kein annähernd so großes Reservoir an Legionären verfügt hatte wie jetzt Koller, ließ sich gar nicht erst auf die VIP-Kartenliste setzen. Was im TV-Zeitalter noch kein dramatisches Versäumnis sein muss, sofern man sich nicht außer Landes befindet wie Josef Hickersberger. Der EM-Teamchef 2008 suchte noch kurz vor Anpfiff nach einer Möglichkeit, um in schottischer Umgebung den österreichischen Quali-Auftakt wenigstens im deutschen TV zu erleben.

Ruhige Kugel

Sir Josef testet derzeit für das Fach-Magazin Die Golferin, wo es sich nördlich von Edinburgh am vornehmsten einlochen lässt. Das Golf-Handicap von Hickersberger ist – seit er heuer im Mai seine Trainertätigkeit in Abu Dhabi beendete – bereits niedriger als die Zahl seiner monatlichen Arbeitstage, nämlich neun. Mit dem Golfsport begann er zum Frustabbau unmittelbar nach dem 0:1 gegen die Färöer, mit dem die Teamchef-Ära Hickersberger I geendet hatte. Aber das war vor 22 Jahren. In diesem Jahrtausend ist Marcel Koller, rechnet man die interimistischen Teamchefeinsätze von Andreas Herzog und Langzeit-Sportdirektor Willibald Ruttensteiner hinzu, auch schon der achte ÖFB-Teamchef, während der deutsche Fußballbund im gleichen Zeitraum mit vier Bundestrainern auskam: Mit Erich Ribbeck, der sich seit seinem unrühmlichen EM-Abgang 2000 reif für die Insel fühlt und auf Teneriffa lebt, mit Rudi Völler (jetzt Leverkusen-Sportdirektor), mit Jürgen Klinsmann (jetzt US-Verbandscoach) und Joachim Löw, der schon seit sechs Jahren am Regiepult steht. 8:4 steht’s demnach im Teamchef-Verschleiß. Das aber ist auch schon die einzige Statistik, in der Fußball-Österreich von Deutschland so bald nicht eingeholt werden wird.

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