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15.12.2011

Der Fußball-Chef als Ski-Macher

Eher würde ÖSV-Präsident Schröcksnadel den Patscherkofel abtragen lassen, bevor er zulässt, was seinem italienischen Amtskollegen widerfahren ist.

Können Sie sich vorstellen, dass der Fußball-Bundesliga-Präsident als Vormund beim Österreichischen Skiverband eingesetzt wird, um dort Gaunereien zu verhindern? Undenkbar.Eher würde ÖSV-Präsident Peter Schröcksnadel den Innsbrucker Patscherkofel abtragen lassen, bevor er zulässt, was seinem Amtskollegen jenseits des Brenner widerfahren ist.Italiens Olympisches Komitee in Rom hat Ski-Präsident Giovanni Morzenti abgesetzt und mit Dottore Franco Carraro einen der mächtigsten Männer des italienischen Fußballs (u. a. lange Zeit Chef der Serie A) als Interimsboss und Kontrollor der Skifahrer installiert.Signor Morzenti wird vorgeworfen, sich seine Wahl zum Ski-Präsidenten mit illegalen Tricks erschwindelt zu haben. Dass ihn ein Gericht zudem wegen anderer Geschäfte und Bestechung außerhalb des Sportbereichs zu einer (noch nicht rechtskräftigen) mehrjährigen Haftstrafe verurteilt hat, wird es Rom wohl auch erleichtert haben, mit dem Ski-Boss Schlitten zu fahren.Dem Verband geht’s wie dem Staat: Er ist pleite. Seine Rennfahrer mussten sich das winterliche Sommer-Camp in Feuerland selbst finanzieren. Und Robert Brunner, der beliebte ehemalige Betreuer von Alberto Tomba und spätere Helfer von Stephan Eberharter, Fritz Strobl und Benjamin Raich, musste als Morzenti-Günstling nur ein Jahr nach seinem Comeback als Direttore Sportivo aus Spargründen gehen.Andere Südtiroler weinen Morzenti keine Träne nach, hatte der doch den Traditionsskiorten Gröden und Alta Badia plus Bormio, wo die Veranstalter auch noch Deutsch verstehen, ihre Weltcup-Rennen wegnehmen und ins weiter westlich liegende Aostatal verlegen wollen.In Abwesenheit Morzentis darf Alta Badia heuer Riesenslalom u n d Slalom veranstalten. Und über Gröden lässt Fußball-Matador Carraro als Commissario Straordinario des Skiverbandes in seinem Vorwort zum Programmheft wissen: "Gröden präsentiert sich als hervorragende Visitenkarte für Athleten und Medien."Die Südtiroler sagen "Grazie, Herr Sonderkommissar Carraro." Statt Giovanni Morzenti kann nur noch Petrus ihre Speedshow in Gröden verhindern.