über fehlsichtige Sportler
02/16/2013

Den Triumph vor Augen

von Wolfgang Winheim

Doch seit der Kurzsichtige in die Schladming-Entscheidungen eingriff, schaut die WM für Rot-Weiß-Rot wieder rosig aus.

Wolfgang Winheim | über fehlsichtige Sportler

Der Rücken schmerzt, geschlafen hatte er zuletzt schlecht – und wirklich scharf sieht er auch nicht mehr. Den 23-jährigen Marcel Hirscher plagen Problemchen, als wäre er bereits im besten Funktionärsalter.

Doch seit der Kurzsichtige in die Schladming-Entscheidungen eingriff, schaut die WM für Rot-Weiß-Rot wieder rosig aus.

Gold dank Hirscher im Teambewerb, in dem er bei den Parallelrennen drei Bestzeiten hinknallte; Silber im Riesenslalom dank Bestzeit in Durchgang zwei. Und das, obwohl er weder Brille noch Kontaktlinsen trug.

Austrias (Herbst-)Meistermacher Peter Stöger wird vermutlich schmunzeln, wenn er diese Zeilen liest.

Auch Stöger hatte in der Dämmerung nicht gleich jeden erkannt, der ihn von der anderen Straßenseite grüßte. Auch er hatte während seiner aktiven Sportlerzeit im Wettkampf auf jegliche Sehhilfe verzichtet – und es trotzdem auf 65 Teameinsätze gebracht und in einem Länderspiel gegen Polen gar drei Tore geschossen.

Die drei Herrschaften, die heute beim Wiener Derby im Hanappi-Stadion auf der Rapid- Betreuerbank Platz nehmen, waren öfters beim Optiker gewesen. Sowohl Peter Schöttel als auch sein Co Thomas Hickersberger und Tormann-Trainer Raimund Hedl spielten mit Kontaktlinsen. So wie die halbe deutsche Nationalelf, so wie heute viele österreichische Kicker. Und so wie Roland Linz, der seine Linsen während eines Länderspiels gegen England in Manchester verlor.

Als dem bayrischen Weltmeister Paul Breitner im Wiener Stadion einmal ein ähnliches Missgeschick passiert ist, soll Adlerauge Hans Krankl das nicht einmal fingernagelgroße, wertvolle Ding aus Plastik entdeckt und klammheimlich in den Rasen getreten haben.

In Krankls Jugendzeit waren Haftschalen Wiens Kickerszene noch unbekannt. Da galt für konservative Trainerfeldwebel das Motto „Mein letzter Wille, ein Spieler mit Brille“.

Bestünden bei der heutigen Computer-Generation ähnliche Vorurteile gegenüber Fehlsichtigen, wären Sportplätze und Rennpisten halb leer. Marc Girardelli war der erste Skistar, der 1992 in Mailand eine Laseroperation riskierte. Mittlerweile verfügt die Augenchirugie über ungleich mehr Erfahrungswerte. Und mittlerweile haben sich Maria Höfl-Riesch, Lindsey Vonn, Bode Miller und ORF-Dancing-Star Rainer Schönfelder ebenfalls ihre Augen lasern lassen und sich seither Brille und Linsen erspart.

Auch er denke jetzt ernsthaft an diese Operation, gibt Marcel Hirscher zu.

Nicht auszudenken, wie schnell der Bursche erst wäre, wenn er die Bodenwellen, die er mit seinen Knien jetzt schon so genial abfedert, auch noch rechtzeitig sieht.