Wolfgang Winheim

© Stephan Boroviczeny

Meinung Kolumnen Tagebuch
09/25/2012

Buenas noches

Tagebuch: Die spanischen Vereine müssen Schulden abbauen. Die Richtungsänderung erfolgt nicht ganz freiwillig, sondern auf Druck der Regierung.

von Wolfgang Winheim

Stellen Sie sich die Wiener Großfeldsiedlung umgeben von Meer und Sand vor. Ähnlich sieht es an der Costa Blanca aus. Nur mit dem Unterschied, dass die Betonklötze an den schönen spanischen Stränden verwaist vor sich hin bröckeln.

Die leeren Häuser sind ein Grund für die leeren Klubkassen im Land des Weltmeisters. Weil Traditionsklubs wie La Coruña und Valencia mit Bau- und Immobilienunternehmen kooperiert haben, die sich verspekulierten. Deshalb verkommt die künftige, halbfertige Heimstätte des FC Valencia, die die schönste Arena auf dem Kontinent werden sollte, zur Geisterburg. 90.000 Personen wird sie irgendwann den Besuch ermöglichen. Irgendwann, wenn der Klub für das alte Mestalla-Stadion einen Käufer findet und dort, wo Österreichs Team 1999 in ein 0:9-Debakel taumelte, Innenstadtwohnungen entstehen.

Bis dahin ist Schuldenabbau mit Spielerverkäufen verpflichtend. Dass Valencia trotz der Abgänge von Villa, Mata, Silva, Alba noch Champions-League-Starter ist, spricht für die sensationelle Nachwuchsarbeit. Valencia ist der einzige Klub, der in diesem Jahrtausend das Duell Real – Barça stören und Meister werden konnte.

Auch die Wunderklubs mussten ihre Philosophie am Transfermarkt ändern. Erstmals verkauften Real und Barcelona mehr Spieler als sie verpflichteten. Obwohl es sich bei den Abgegebenen nur um Talente der B-Teams handelte, wurde ein Plus erwirtschaftet.

Die Richtungsänderung erfolgt nicht ganz freiwillig, sondern auf Druck der Regierung, die auch die "Lex Beckham" aufhob. So nannten die Spanier die Steuerbegünstigung, mit der Toplegionäre geködert wurden. Ausländische Stars mussten nur 24 Prozent Steuern zahlen. Für neue Verträge sind 53 an den Fiskus abzugeben. Das ist der wahre Grund, weshalb kürzlich Cristiano Ronaldo, ohne konkret zu werden, mitleidheischend klagte, dass er so traurig sei.

Wirklich traurig ist, dass sich viele Spanier nicht einmal den Besuch eines Drittligaspiels (stolze 25 Euro) mehr leisten können. Oder den Vino Tinto, um sich in einem Lokal El Clásico im Pay-TV anzusehen. Im Staatsfernsehen herrscht bei Spielen von Barça oder Real nur noch Mattscheibe.

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