über Fußball in Brasilien
04/27/2014

Brasilien wie Österreich

von Wolfgang Winheim

Der Zuschauerschnitt beim Vereinskick im WM-Land sank erstmals unter die 12.000er-Grenze

Wolfgang Winheim | über Fußball in Brasilien

Die Stimmung ist angespannt, das jüngste Umfrageergebnis alarmierend. "Die WM-Akzeptanz unter Brasilianern beträgt nicht einmal mehr 50 Prozent", berichtet Markus Schruf aus São Paulo. Lieber würde er die Negativmeldungen der Medien dementieren. Denn Schruf lebt vom und für den Fußball. Er brachte den Vorstadtklub Boavista in der Carioca-Liga von Rio auf Rang 5. Er ist der einzige österreichische Coach in Brasilien. Und somit einer von nur sechs (unter über 1500) ÖFB-Kursabsolventen, die aktuell im Ausland als Trainer arbeiten.

Eine gute Ausbildung oder eine torreiche Kicker-Vergangenheit sind heute längst keine Job-Garantie. Feldwebel haben ausgedient. Auch wer sich auf den Wiener Schmäh verlässt, dem vergeht das Lachen.

Im Süden sind Sprachkenntnisse Voraussetzung. Und wer in Deutschland an den Futtertrog will, muss auch rhetorisch überzeugen. Wie Peter Stöger in Köln. Dort profitiert er von seinen Erfahrungen als ehemaliger TV-Analytiker für ORF und Sky.

Doch selbst der jetzt so gefeierte Aufsteiger Stöger war nicht erste Wahl. Weder bei der Austria, die ihn 2012 erst engagierte, nachdem Franco Foda den Violetten abgesagt hatte, noch in Köln, wo im Vorjahr nicht Stöger, sondern Roger Schmidt als Wunschkandidat Nr. 1 gegolten hatte. Jener aktuelle deutsche Red-Bull-Meistermacher, der sich nun doch für eine Rückkehr nach Deutschland, zu Bayer Leverkusen, entschieden hat.

Stöger (obwohl auch in der zweiten deutschen Liga besser verdienend als zuvor in Österreichs erster) und Schmidt folgen nicht allein dem Lockruf des Geldes. Vielmehr ist es die Herausforderung, in einem medialen Spannungsfeld mit einem Team Woche für Woche vor 50.000 Zuschauern bestehen zu müssen, die Top-Profis reizt.

Im Land der (Fußball-) Äcker hingegen kann der Liga-Alltag ernüchternd sein. Österreichische Provinzbühnen verzeichnen den schwächsten Besuch seit elf Jahren. Ähnlich morbid ist die Situation im ex-jugoslawischen Raum, in Ungarn, in der Slowakei und ... in Brasilien.

Der Zuschauerschnitt beim Vereinskick im WM-Land sank erstmals unter die 12.000er-Grenze. Aber das ist auch schon die einzige Parallele zwischen Áustria und Brasil.

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