Wolfgang Winheim

© Stephan Boroviczeny

Meinung Kolumnen Tagebuch
09/23/2012

Am tiefen Keller

Tagebuch: Der Ruf nach einer täglichen Turnstunde war schon 1912 zu vernehmen.

von Wolfgang Winheim

Die tägliche Turnstunde! Alle Sportkönige machen sich seit London 2012 für sie stark. Dabei war der Wunsch schon zu Kaisers Zeiten aktuell gewesen. So steht im ÖOC-Bericht 1912, dass das schlechte Abschneiden bei Olympia in Stockholm auf fehlenden Sport in der Schule zurückzuführen sei.Entdeckt hat die 100 Jahre alte, von Otto Fürst Windisch-Graetz und dem (1942 im KZ umgekommenen) Olympiasieger Otto Herschmann unterzeichnete Analyse der ehemalige Fußballer Michael Wenzel, als er im Staatsarchiv nach Unterlagen für seine Diplomarbeit über Olympische Bewegungen stöberte.Der spätberufene Sporthistoriker hat selbst ein bissel zur Sportgeschichte beigetragen, indem er mit einem Kopftor die Basis für die schlimmste Niederlage in Hans Krankls Trainerkarriere legte. Das war 1991, als Rapid das Cup-Finale mit Kapazundern wie Michael Konsel und Andreas Herzog gegen Stockerau 1:2 verlor.Inzwischen rutschte Stockerau auf Rang 15 in der vierten Leistungsstufe ab. Der Pokalsieger 1988, der SC Krems, spielt gar noch eine Klasse tiefer. Auch ein ehemaliger Meisterklub röchelt im Kicker-Keller. Soeben trat die komplette Führungsriege des GAK zurück, weil sie sich außerstande sieht, für die Sünden von Vorgängern zu haften. In der gleichen Klasse (Regionalliga Mitte) ringt der LASK um die Existenz: Im Mai die Bundesliga-Lizenz und danach auch noch das Hausherren-Recht im Linz verloren. Karl Daxbachers Elf kickt ab sofort in Schwanenstadt.In der Ostliga hauchen dem Sportklub die wunderbaren Fans der Friedhofstribüne ein bissel Lebensfreude ein. Die dürfen zwar weniger auf den Wiederaufstieg, aber auf eine Renaissance des kleinen Wiener Derbys hoffen, zu dem es kommt, falls sich die Vienna (derzeit Letzter in der Bundesliga Zwei) aus dem Profi-Fußball verabschiedet.Tradition schießt keine Tore. Im Falle des EC Eisenstadt war gar Auflösung die einzige Lösung. Wo sich einst bis zu 10.000 Leut’ versammelten, wenn Rapid kam, wuchert kniehohes Unkraut. Burgenlands Hauptstadt verfügt seit 2008 über kein Stadion mehr. Die Tribüne im Esterházy-Park wurde abgerissen.Nicht einmal geturnt darf dort noch werden.

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