Schnitzeljagd

Das beste Schnitzel der Stadt zu finden ist eine Herausforderung. Jeder Wiener hat seinen Favoriten.

Mag. Leila Al-Serori | sucht das beste Schnitzel Wiens

Diese Kolumne handelt von der physischen Notwendigkeit eines Wiener Schnitzels nach vier Wochen Südostasien. Hauchdünn geklopft, goldbraun paniert, dazu ein Spritzer Zitrone.

Bevor ich als Banausin abgestempelt werde: Nein, ich gehöre nicht zu der Fraktion, die in exotischen Gefilden Ausschau nach Pommes Rot-Weiß-Rot hält. Aber nach einer intensiven, großartigen Curry-Kur ist ein Stück Wiener Hausmannskost doch etwas Feines. Zudem sei gesagt, dass Elvis Presley vier Wörter Deutsch sprach. "Auf Wiedersehen" und "Wiener Schnitzel". Manchmal, so erzählt man sich, auch: "Auf Wiener Schnitzel."

Mehr braucht es für mich nicht. Der jährliche Schnitzelschmaus fällt dieses Jahr auf einen Tag im Februar. Nur in welchem Lokal? Das beste Schnitzel der Stadt zu finden ist eine Herausforderung. Jeder Wiener hat schließlich seinen Favoriten, dementsprechend unterschiedlich sind die Empfehlungen. Unter den Nennungen: das Schloss Concordia beim Zentralfriedhof, der Schnitzelwirt in der Neubaugasse und das Gasthaus Zum Roten Bären in der Berggasse. Während Ersteres aufgrund der längeren Anreise diesmal ausfällt, sind mir der Schnitzelwirt und seine weitreichende Bekanntheit unter Touristen ein unverständliches Rätsel. Billig ist ja nicht automatisch gut. Und außer um einen freien Tisch streitende Russen gibt es nicht viel zu sehen.

Bleibt der letzte im Bunde, der Rote Bär im neunten Bezirk. Vergangenes Jahr neu übernommen, serviert man hier moderne Wirtshausküche aus allen Ecken der ehemaligen Monarchie. Dazu gibt es schummriges Licht, urige Deko und eine sehr aufmerksame Bedienung. Das Schnitzel selbst enttäuscht nicht. Das Kalbfleisch ist zart, die Panier luftig, aber ein wenig zu salzig. Dazu wird ein feiner, angenehm süß-saurer Erdäpfelsalat gereicht. Fazit: Nicht das beste Schnitzel der Stadt, sehr wohl aber ein Gutes. Und die physische Notwendigkeit? Die ist am Ende des Abends famos gestillt.

Nächste Woche darf es dann auch wieder Curry sein.

( Kurier ) Erstellt am 28.02.2015