über das Börseviertel
07/10/2015

Nachbarschaftlich

Siehe da, das Börseviertel ist ein richtiges Grätzel mit viel Potenzial. Auch ohne gehypte Lokale.

Mag. Leila Al-Serori | über das Börseviertel

Es ist eines der schönsten Gebäude der Stadt – und gleichzeitig eines der am wenigsten beachteten: die Wiener Börse.

Das liegt einerseits daran, dass in dem Ringstraßen-Prachtbau von Theophil Hansen bereits seit Jahren nicht mehr die tatsächliche Börse beheimatet ist. Diese hat ihren Sitz seit 2001 in der Wallnerstraße. Deshalb gibt es auch keine Michael-Douglas-Verschnitte wie in Wall Street, die ins Handy brüllend auf den Börseplatz hinauslaufen.

Zum anderen ist rundherum eigentlich nichts. Wobei das vielleicht auch das Schöne ist. Keine Sehenswürdigkeiten, keine gehypten Lokale und von den Touristen weitgehend unbeachtet, ist es eines der wenigen Vierteln im ersten Bezirk mit tatsächlichem Eigenleben. Ein Morgenspaziergang durch die Gassen, vorbei an stuckverzierten Häusern, ist eine entspannte Angelegenheit. Ältere Herren sitzen mit Melange und Tageszeitung im Gastgarten, daneben eine Gruppe Anzugträger beim Geschäftstermin. Hier hat die OPEC ihren Sitz, daneben steht das Haus der Europäischen Union, rundherum viele Büros. Dementsprechend businessorientiert ist es hier. Lokale wie die Soupkultur spezialisieren sich daher auch auf die Mittagspause. Das haubengekrönte Gasthaus Floß hingegen musste kürzlich schließen, da am Abend zu wenig los war. Und das Geisterhaus, die ehemalige Telegrafen-Zentralstation, steht seit Jahren leer.

Aber es tut sich was: Die Bezirks-SPÖ will die Gegend durch eine Fußgängerzone aufwerten. Und die ansässigen Geschäftsleute haben sich zusammengeschlossen und einen Verein gegründet. Sie wollen die Identität ihres Viertels fördern, es entstauben. Dabei sind u. a. das Hilton, das Restaurant Hansen oder die Neue Wiener Werkstätte. Die Mitglieder wollen die Anonymität, die durch Bürowände entsteht, abbauen und Nachbarschaft leben. Dafür tauscht man sich aus, organisiert Events.

Siehe da, das Börseviertel ist also ein richtiges Grätzel mit viel Potenzial. Da braucht es auch keinen Michael Douglas.

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