Meinung | Kolumnen | Stadtgeflüster
10.04.2017

Wien dreht am Rad der Zeit

Mit dem Anstieg der Temperaturen im Frühling werden über den Winter eingefrorene Konflikte wieder aufgewärmt.

Das ist nicht nur unangenehm, sondern kamikazemäßig.

Julia Schrenk | über Radfahren am Getreidemarkt

Sind Sie in der Vergangenheit schon einmal mit dem Rad über den Getreidemarkt gefahren? Ja? Dann wissen Sie, dass Radfahren über den Getreidemarkt bergauf nicht nur unangenehm, sondern ziemlich kamikazemäßig ist.

Radfahrer laufen Gefahr, von ständig spurwechselnden Autofahrern, die der Meinung sind, auf dem 400 Meter langen Getreidemarkt einen Geschwindigkeitsrekord aufstellen zu müssen, über den Haufen gefahren zu werden. Wenn’s also irgendwie geht, versuchen viele, den Getreidemarkt zu meiden.

Ab September ist das nicht mehr notwendig. Die Stadtregierung nimmt den Autofahrern eine Fahrspur weg und baut stattdessen einen Radweg, damit ein ungefährliches Vorankommen möglich ist.

In der Opposition hat das die üblichen Reaktionen hervorgerufen. Von "Hass-Aktionen gegen Autofahrer" war die Rede und vom drohenden "Verkehrs-Kollaps". Als nun bekannt wurde, dass auch auf der Rossauer Lände eine Spur von den Autofahrern an die Radfahrer abgegeben werden soll, war die Kritik ähnlich.

Um es mit den Worten von Fettes Brot zu sagen: Schönen guten Morgen an all die Banausen da draußen!

Die Straßen gehören nicht nur den Autofahrern. Die Öffis gelangen an ihre Kapazitätsgrenzen, und die Zahl der Radfahrer ist deutlich angestiegen.

Wir wollen ja nicht im Jahr 2017 das Rad der Zeit zurückdrehen. Oder?