Meinung | Kolumnen | Stadtgeflüster
27.03.2017

Vienna’s next U-Bahn-Stars

Bleibt zu hoffen, dass es nicht letztlich die Musiker sind, die sich in den verlassenen U-Bahn-Stationen fürchten müssen.

Julia Schrenk | über Musikanten in U-Bahn-Stationen

Oxford Street Station zur Rush Hour. Mit Tausenden anderen Fahrgästen bahnt man sich den Weg aus der U-Bahn und schiebt sich durch die Gänge des Londoner Underground-Systems nach oben. Immer schön auf seiner Seite und zumindest solange, bis man den ersten Straßenmusiker zunächst hört und irgendwann danach auch sieht. Mit Hut auf dem Kopf und Gitarre in der Hand steht er da und singt sein Lied. Und dann bleibt man stehen und hört ihm zu. Ein paar Minuten lang, obwohl man eigentlich schon längst woanders sein wollte.

Die Straßenkünstler (Buskers) im Londoner U-Bahn-System genießen den Ruf, viel besser als ihre Kollegen in anderen Großstädten zu sein. Manche von ihnen sollen auch einzig durch das U-Bahn-Musikantentum berühmt geworden sein. Und das hat auch einen Grund: Wer in den Stationen der Londoner Tube musizieren will, muss sich offiziell beim Transport for London, also quasi den Wiener Linien Londons, bewerben. Wer dem Qualitätstest vor einer Jury standhält, darf zwar nur an ausgewählten (und extra gekennzeichneten) Plätzen in den Londoner U-Bahn-Stationen spielen, dafür aber vor einem Millionenpublikum (3,5 Millionen Fahrgäste täglich).

In Wien soll das künftig auch so laufen. Im Mai veranstalten die Wiener Linien ein Casting, bei dem eine Jury die zehn besten Musiker für die U-Bahn auswählt. Später sollen die Wiener in einem Online-Voting abstimmen, wer tatsächlich in den U-Bahn-Stationen (ab Juli am Westbahnhof, später auch in anderen Stationen) auftreten darf.

Mit dem Musikanten-Vorstoß will Öffi-Stadträtin Ulli Sima ( SPÖ) die Sicherheit erhöhen: "Vor allem am Abend, wenn in den Stationen nichts mehr los ist, sorgt die Musik für ein angenehmes Gefühl", sagte sie bei der Klubklausur der SPÖ Wien.

Bleibt zu hoffen, dass es nicht letztlich die Musiker sind, die sich in den verlassenen U-Bahn-Stationen fürchten müssen.

Und dass die Wiener Buskers zumindest annähernd so gut sind, wie jene in London.